Im Schatten des Doms

Nachts im Museum...

When the Going Gets Tough, the Tough Get Going.

Donnerstag, 13. September

Da Art Johnson uns gebeten hatte noch ein paar Tage zu bleiben, wollen wir unsere Vorräte ein wenig aufstocken. Wir rufen Khaled an und fragen ihn, ob er zufällig nützliche Verwandtschaft in London hat… Er nennt uns den Dimashq Market, geführt von einem Malik. Gefüttert mit Tee und Baklava erleichtern wir dessen Lager, allerdings kann er nicht mit magischem Equipment dienen.
Nach kurzer Matrixsuche werden wir jedoch auf das Smiling Sephiroth aufmerksam, spezialisiert auf die Bedürfnisse kabbalistischer Zauberer. Wir fahren mit der Tube hin, um den Einkauf noch mit einem kleinen Stadtbummel verbinden zu können. Dort angekommen sehen wir in einem vollgestopften Laden einen kleinen Klischee-Juden mit gezwirbelten Löckchen an den Schläfen – Zillah beginnt innerlich zu fluchen, als sie zum Tresen läuft. Sie setzt ihre netteste Miene auf und bestellt in freundlichstem Hebräisch ihre Zauber, erzählt von der mangelnden jüdischen Lebenskultur in einem derart arabisch geprägten Plex, läßt sich noch ein paar Adressen von Synagogen geben und freut sich darüber, wie sie in ihren Gedanken seinen Kopf auf die Tischplatte schlägt („Orthodoxes Sackgesicht!“), während sie ihm die breitesten Lügengeschichten auftischt. Von Vorteil ist, daß er die Registrierung ihrer Zauber auch direkt übernimmt, das spart unnötige Bürokratie.

Montag, 17. Dezember

Nachmittags ruft dann Art an, wir sollen um 22 Uhr im King William Pub sein – wir sollen einen Mietwagen nehmen, Zimmer seien im dazugehörenden Hotel bereits für uns reserviert. Nachdem wir uns einen Wagen besorgt haben – etwas stabiles und unscheinbares – machen wir uns auch auf den Weg. Der Check-In läuft problemlos, wir parken das Auto in der Tiefgarage, genießen noch kurz die Boxspring-Betten, und machen uns dann auf in den Pub. Auch wenn wir vorhin schon gegessen haben lockt uns doch das Abenteuer einer typisch englischen Speisekarte. Nachdem wir bestellt haben, gehen wir an den reservierten Tisch. Als wir gerade essen kommt Art zum Tisch, er ist kurz angebunden. Noch heute Abend muß eine Extraktion vonstatten gehen, gleichzeitig ist ein anderes Team darauf angesetzt. Wir haben ein Zeitfenster von 5 Minuten. Sobald wir das Ziel gesichert hätten, würde Art uns die Adresse eines Safehouse geben. Er bietet 10000€ pro Person, aber Krabat und Elric können ihn auf 11500€ pro Nase hochhandeln. Wir nehmen an…
Wir sollen ins British Museum eindringen, Extraktionsziel ist Dr. Richard Pelletiere. Ein weiteres Team ist angesetzt, das sich um 23:55 Uhr Zugang verschaffen wird, und wir müssen es daran hindern das Ziel einzusacken. Wir erhalten ein Dossier über das Ziel, und den offiziellen Plan des Museums inklusive Einstiegspunkt des anderen Teams und Büro des Wissenschaftlers.

Wir nehmen noch einen großen Bissen, dann machen wir uns auf den Weg. Die Zeit reicht gerade, um die Ausrüstung zu holen und uns auf den Weg zu machen. Am Museum angekommen beobachten wir die Tür. Da das Zeitfenster schon begonnen hat, macht Zillah sich unsichtbar und versucht die Tür zu öffnen – sie gibt problemlos nach, und Zillah muß erst mal einem betäubten Wachmann ausweichen, der hinter der Tür angelehnt war. Der Host des Museums meldet nur Absturzsignale… Showtime. Zillah spricht zusätzlich einen Levitationszauber und alle bewegen sich rein, durch die Asien- und die Afrikasammlung, und über die Feuertreppen in den Bürotrakt im 2. UG. Die fliegende Vorhut wird am Ende der letzten Treppe bemerkt und zieht einen Zauber und eine Salve Schockermuni auf sich, kann aber beidem ausweichen. Unter ihr befinden sich vier Gestalten, und der Kampf beginnt. Relativ schnell können wir zwei ausschalten, für die beiden anderen brauchen wir nur unwesentlich länger. Wir begrüßen einen verschüchtert dreinblickenden Doktor, dem wir glaubhaft erklären können, daß wir seine Sicherheitseskorte sind. Der Weg zum Auto birgt keine Probleme, und Art lotst uns zu einer Adresse in Soho, die schönsten Tage hat es wohl hinter sich, aber der Parkplatz befindet sich taktisch klug im Inneren des Häuserblocks.

Dienstag, 18. September

Als wir gerade aussteigen wollen, hören wir neben den üblichen Stadtgeräuschen zweimal ein leises Surren, gefolgt von einem ebenso leisen Aufprall – zwei dunkle Gestalten haben sich in einer Ecke abgeseilt. Aus der Einfahrt hören wir nun auch Schritte… Wir sehen uns insgesamt vier bulligen Sackgesichtern in Ganzkörperpanzerung gegenüber, die auch noch meinen mit APDS-Muni durch die Gegend ballern zu müssen. Auf uns. Natürlich. Jetzt setzt es Saures!
Zunächst scheinen wir definitiv mehr abbekommen zu haben als die, aber unsere Moral steigt mit dem ersten, den Elric umschießt. Zillah testet die neu erworbenen Gasgranaten, wird aber doch recht ungeduldig beim Warten auf die Wirkung – doch als sie endlich kommt, kommt sie richtig. Der eine Mensch reiert vor sich hin während der Bewußtlose wohl kläglich an dem Erbrochenen in seinem Helm ersticken wird…
Allerdings erweisen sich die beiden anderen Herren in der Einfahrt als mindestens genauso zäh und wehrhaft. Doch Zillahs nächste Schockgranate haut zumindest einen um, der zweite läßt langsam Federn, und Elric gibt ihm dann den Rest. Dann legen wir noch den kotzenden Menschen schlafen, und nach einem kräftigen Tritt ins Gemächt durch Krabat („Die Sau hat meinen Anzug ruiniert… Löcher, und Blut! Und weh tuts obendrein auch noch!“) sammeln wir die Waffen der Typen ein, ziehen dem bewußtlosen Kotzer netterweise den Helm ab, zünden Krabats Blutlache an, und kratzen gerade rechtzeitig die Kurve, Krabat hört bereits das Brummen eines Helikopters in der Ferne.

Eine Kurznachricht an Art kommt nicht an, währenddessen überlegen wir, wo wir hingehen sollen. Nach einer Weile, in der wir uns durch den Innenstadtverkehr schlängeln, schlägt der Doktor vor, zu seinem Landhaus in Hampstead rauszufahren („Von dem weiß niemand…“). Sobald wir aus der Innenstadt-Überwachung raus sind, ändern wir die AR-Kennung unseres Mietwagens, um wenigstens ein paar Spuren zu verwischen.
Langsam aber sicher nähern wir uns dem erwähnten Haus. In der Wohngegend ist niemand unterwegs, die Straßen sind leer… die Häuser sind riesig und von noch größeren Gärten umgeben. Wir erreichen ein weiß getünchtes einstöckiges Haus, die Blumenkästen verstärken den biederen Eindruck. Unsere Nasen wittern einen ungewohnten Geruch… echte Vegetation! Wir parken das Auto in der Garage und begeben uns nach drinnen. Auch dort ist alles konsequent liebevoll eingerichtet. Wir essen erstmal und ruhen uns aus, dann machen wir unsere Ausrüstung bereit und richten mit der FlySpy auf dem Dach einen Beobachtungsposten ein. Danach kommen wir ein bißchen ins Gespräch mit unserem Gastgeber. Offensichtlich war er nicht sehr glücklich über seine berufliche Situation, besonders seinem direkten Vorgesetzten, weshalb er sein Curriculum Vitae auf einer einschlägigen Karrierewebseite veröffentlicht hat. Mit seinen Zugangsdaten ausgestattet sehen wir uns das an, und entdecken drei Interessenten, die sich auf sein Inserat gemeldet haben: NeoNET, Saeder-Krupp und TRC (die Geheimpolizei des irischen Tir…). Stalker und Krabat finden noch zwei weitere Parteien, die sich zwar nicht bei dem Doktor gemeldet, jedoch mehrfach sein Profil angesehen haben: NDM (englische Druiden) und SAS (ja, genau, der Special Air Service…). Wir sind begeistert. Offensichtlich ist er ein Experte für die Phonetik antiker Sprachen. Zillah staunt nicht schlecht, unser Gastgeber wäre definitiv in der Lage einem ambitionierten Magier zu erklären, wie er eine altertümliche Zauber- oder Beschwörungsformel so vorlesen muß, daß das Juju auch anfängt zu wirken…
Das Team im Museum war vermutlich von NeoNET beauftragt, die bulligen Typen im Parkhaus hatten S-K-Logos… die anderen haben ebenfalls versucht, ihn aufzuspüren.
Der zukünftige Wunscharbeitgeber unseres Gastgebers wäre TRC, wie er uns verrät, eventuell arbeitet ja Art für die, wer weiß. Allerdings wissen wir das nicht, und Art ist schlichtweg vom Erdboden verschluckt, wir finden absolut keine Spur von ihm. Von daher überlegen wir, ob wir nicht den Kontakt zum Wunscharbeitgeber unseres Doktors herstellen und eine Einigung anstreben. Etwas besseres fällt uns gerade nicht ein, daher recherchieren wir weiter in der Matrix. Wir finden Hinweise auf eine größere Rekrutierungswelle durch TRC, vor allem in Großbritannien, auch wurden wohl einige TRC-Mitarbeiter gestern Abend in der Tube gesehen. Wir rufen die TRC-Kontaktperson von der Karrierewebseite an, eine Dame namens Sarah. Das Telefon klingelt nur kurz, und es braucht auch nur wenige Worte um ein Treffen zu arrangieren, Treffpunkt ist die Mitte des nahen Heath-Parks in Hampstead, in 30 Minuten.

Auf dem Weg zum Park werden wir von einem lauten Knall aus der Lethargie gerissen, als sich die Front unseres Autos verabschiedet. Hinter uns tauchen zwei taktisch perfekt geschulte Soldaten auf, ein weiterer kommt von vorne, und versuchen uns in die Zange zu nehmen. Die Hoffnung, daß die Präzision der Sprengladung ein Hinweis darauf ist, daß man nicht einfach nur versucht einen Arbeitgeberwechsel bei lebendigem Leib zu verhindern, löst sich allerdings rasch in Luft auf. Mit einer glücklichen Kombination aus Sperr- und Präzisionsfeuer, viel Mühe und einem ordentlichen Schuß Magie schaffen wir es jedoch, die Vertreter des Commonwealth aus dem Verkehr zu ziehen, und die Sachmittel die wir dabei „beschlagnahmen“ können entschädigen dann doch für einiges…
Sogar ein schicken neues Gefährt hat man uns „überlassen“, wo wir doch schon der Mietwagenfirma erklären müssen, daß sie ihren Besitz leider nur in Einzelteilen wiederbekommen. Vielleicht hätten wir ihn ja doch in der Themse versenken sollen… wäre wenigstens authentisch gewesen.

Dann endlich gelangen wir an den vereinbarten Treffpunkt im Park. Es dauert nur ca. 30 Sekunden bis wir merken, daß die liebe Sarah wohl doch eher zur Fraktion „Schlampe“ gehört, denn Dienstleistungen nimmt sie zwar gerne in Anspruch, aber bezahlen hält sie wohl für unnötig. Also mal ehrlich, denken wir uns, so scharf ist das Spitzohrgerippe nun auch nicht… Von daher beobachten wir mit nicht geringer Genugtuung, wie sich ein Dutzend kleine metallene Freunde in die Köpfe der Zechpreller versenken. Tja, so kanns laufen…
Hinter einem Baum kommt ein grinsender Art Johnson hervor, der unsere erleichterten Mienen zur Kenntnis nimmt. Offensichtlich hatte man sein Kommlink angezapft, weswegen er schnell untertauchen mußte. Immerhin konnten wir so viel Zeit herausschlagen, daß er wieder auf unsere Spur kam… und das Feuerwerk der Commonwealth-Jungs war dann auch der letzte Hinweis auf unseren Standort. Somit landet unser werter Herr Doktor wohl bei einem bisher nicht in Erscheinung getretenen Arbeitgeber, wir haben die Beziehung zu unserem Auftraggeber nicht unglücklich enden lassen müssen, und können nun endlich ins Bett. Hurra!

Und mit dem schönen neuen Spielzeug, das uns der Weihnachtsmann dagelassen hat, können wir uns später noch näher beschäftigen…

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StilzchenRumpel

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