Im Schatten des Doms

Von allen guten Geistern verlassen...

...und von schlechten besessen

Die letzten drei Wochen sind wie im Flug vergangen – Zillah brütete im stillen Kämmerlein über neu erworbenen Zauberformeln, Krabat hat sich in der Bettina-Ford-Klinik noch ein wenig pimpen lassen, und Stalker hütete die Feuerwache während er ein wenig auf seinem Spielzeug herumlötete (und sich freute, daß er dabei nichts kaputtmachte). Das Ende des Rippers bleibt sogar mehrere Tage das Top-Thema in den Medien, allerdings schwanken die Hintergrundgeschichten je nach Berichterstatter enorm. Jaworski wird aufgrund seines heldenhaften Einsatzes zur Festsetzung des Rippers befördert, was er auch direkt mit seinem Kumpel Krabat begießen muß.

Samstag, 20. Oktober 2074

Eines Nachts klingelt dann mal wieder Krabats Komm, am anderen Ende ist Darius. Natürlich läßt Krabat sich nicht lange bitten, als er erzählt, daß er gerade jetzt das heißeste Runnerteam braucht. In Seattle. Abflug in 2 Stunden…
Dementsprechend unsanft reißt Krabat dann auch den Rest der Crew aus den Träumen (weiterschlafen kann man schließlich im Flieger), und nach hastigem Packen geht es direkt los zum Flughafen, wo Darius Flugtickets für uns hinterlegt hat. Währenddessen ruft Darius auch bei Kevin an, er suche noch Muskeln für ein Team, das einen Job in Seattle erledigen soll.

Im Flugzeug treffen wir dann auch, wie von Darius in einer Kurznachricht angekündigt, auf eine weitere Person in unserer Reihe (Zillah: schaut irgendwie aus wie Krabat, nur weniger südländisch und sehr viel sportlicher), der sich etwas wortkarg als Kevin Schwaller vorstellt. Krabat reagiert jovial wie immer, muß Zillah und Stalker, die noch wortkarger sind als Kevin, dann aber regelrecht zu einer Vorstellung drängen; während die anderen dann den Flug mehr oder weniger verschlafen, zappt Krabat sich durch die News- und Dokuangebote des Fliegers. Recht bald landen wir dann, und kommen auch ohne Probleme durch den Zoll. Zillah friert schrecklich, aber leider schafft sie es nicht mehr, vor dem angesetzten Treffen noch eine dicke Jacke zu kaufen, während das Seattler Wetter eben ist wie es ist, so im Herbst.
Wir nehmen ein Taxi zum Kingston Edmons Fähranleger, unsere Kontakt-Koordinaten führen uns dort zu einem Parkhaus. Als die Gegend zunehmend verwahrloster wird, ziehen wir uns um – Zillah scheint es jedoch eher um die zusätzliche Kleidungsschicht zu gehen. Der Taxifahrer dreht direkt wieder um, nachdem er uns abgesetzt hat, und beeilt sich außer Sichtweite zu kommen. Als wir uns umsehen, werden wir von ein paar vercyberten Gangern aufgehalten, die „Wegezoll“ kassieren möchten. Krabat handelt sie etwas runter, Kevin offensichtlich noch mehr – Zillah guckt etwas entsetzt zu Stalker -, dann wirft man uns zum Abschied noch einen ARO mit einer Nummer zu, falls es etwas zu tun gibt.
Im Parkhaus müssen wir natürlich auf die oberste Ebene, natürlich gibt es keinen funktionierenden Aufzug, und natürlich ist das Parkdeck offen. Bei dem Wetter.
Unter einem Vordach sehen wir eine in einen Trenchcoat gewickelte Figur stehen, ein Elf mit feuerroten Haaren und teuren Klamotten, wie wir feststellen als wir näherkommen. „Loki“, stellt er sich vor und drückt jedem die Hand, „Darius hat Sie mir empfohlen. Im hiesigen Salish-Territorium gibt es in einer kleinen Stadt eine Quarantänezone, in die mein Arbeitgeber kürzlich eine Ladung Impfstoff geliefert hat… diese ist verschwunden. In dieser Menge ist der Impfstoff in der verbleibenden Zeit nicht nachproduzierbar, also muß die Charge wiederbeschafft werden, um keine Leben zu riskieren.“
Loki bietet uns 3000 Euro, plus weitere 3000 pro Person, davon 1250 im Voraus. Nachdem wir akzeptiert haben, setzt er an uns zu sagen daß es sich um das Hanta-Virus handelt, als Kevin ihm ins Wort fällt und sein medizinisches Wissen demonstriert, das ihn zu genau diesem Schluß geführt hat. Wir erhalten selbstverständlich Atemschutzmasken. Der gesuchte Impstoff nennt sich Ribavarin, und es dauert ca. zwei Wochen wieder eine derartige Menge herzustellen. Es gab bereits zahlreiche Todesfälle, im weiteren Verlauf wäre mit einer dreistelligen Zahl zu rechnen. Der Impfstoff sollte an eine kleine Klinik gehen, wurde jedoch keine drei Stunden nach Eintreffen der Lieferung bereits gestohlen.
Wir reisen mit der Fähre in eine kleine Stadt namens Neah Bay, wieder macht uns der Zoll keine Probleme. Danach folgen wir Loki weiter auf ein Motorboot, gemeinsam mit ein paar leicht gepanzerten Tauchern, überqueren den Sound of Puget, und gehen dort von Bord, weiter zu einem wartenden Fahrzeug. Während der Fahrt, die ein paar Stunden dauert, studieren wir Infomaterial zum Virus. Fliegen wäre schneller gegangen, aber wie Loki uns erklärt, wurde im Zuge der Quarantäne und des Diebstahls der örtliche Flughafen gesperrt. Wir genießen auf jeden Fall die erstaunlich belebte Natur und die frische Luft.

Als wir vor dem Quarantänezentrum ankommen, bemerken die Erwachten unter uns, daß die gesamte Stimmung in der Umgebung stark gedrückt ist. Zillah und Kevin bemerken die starke Hintergrundstrahlung deutlich (ausgelöst durch Angst und Schmerz, wie Zillah im Astralraum erkennt), und auch die Matrix ist durch starkes Rauschen beeinträchtigt. Die Gebäude wirken wie ausgestorben. Das Krankenhaus im Zentrum der Stadt sieht für uns wie eine bessere Arztpraxis aus, der Betrieb am Eingang ist dafür aber umso stärker, die Patienten stapeln sich förmlich.
Als wir die Klinik betreten fällt Zillah auf, daß viele der Patienten anscheinend Technomancer sind, was das unnatürliche Rauschen in der Matrix erklären könnte. In der Klinik stechen uns sofort die Telestrian-Logos in allen Ecken ins Auge, und nachdem wir ein paar Sicherheitsausweise mit diesem schicken Logo bekommen haben, machen wir uns mit Loki auf den Weg ins Nachbargebäude, wo der Impfstoff gelagert war. Hinter einem offenen – und unbeschädigten – Rolltor sehen wir auch schon zerstörte Sicherheitsglasscheiben. Loki zeigt uns an einem Terminal den Gebäudeplan der Klinik. Auf dem Weg zum Medikamentenlager ist nichts zerstört, doch als wir dort ankommen ist die große Stahltür ziemlich gewaltsam geöffnet worden – mit bloßen Fäusten, nicht mit Sprengstoff. Die gefundenen Hautpartikel lassen sich mit unserer Forensikkiste einem männlichen Menschen kaukasischer Abstammung zuordnen, außerdem finden wir die DNA zweier weiterer Menschen, eines männlichen Kaukasiers und einer nativ-amerikanischen Frau.

Kelly Digari (die Klinikleiterin, eine Makah) berichtet, daß der Einbruch während der Arbeitszeit stattfand, aber trotzdem niemand etwas hörte. Der Impfstoff wurde morgens geliefert, drei Stunden später wurde der Einbruch bemerkt. Es gibt hier kaum Sicherheitspersonal, nur ein paar städtische Polizisten. Bei der Anlieferung waren die Leiterin selbst, der Chefarzt Dr. Auslander, und einige Mitarbeiter von Telestrian anwesend. Dr. Auslander blockt unsere Fragen äußerst unhöflich ab, darum hängt sich Kevin an seine Fersen und beobachtet ihn (ohne was rauszufinden).
Anfang des Jahres gab es wohl bereits einige wenige Todesfälle, die man jedoch für Lungenentzündungen hielt, wie wir erfahren; danach blieb es ruhig, bis zu dem Ausbruch jetzt.
Man erzählt uns außerdem von anderen Auswärtigen, Archäologen, die im Cape Motel abgestiegen sind, und beschreibt uns den Weg dorthin. Kevin stößt wieder zu uns, und nach 10 Minuten auch Loki, dem wir Bescheid gegeben haben. Er weiß schon von den Archäologen, obwohl sie anscheinend nicht offiziell eingereist sind.

Das Motel ist eine abrißwürdige Bruchbude, ein Wagen steht vor der Tür. Kevin beobachtet die Lage, und Loki überredet den gelangweilten Rezeptionisten, ihm die Schlüssel zu den drei Zimmern der vier Personen zu geben. Seit ca. einem Tag – seit der Impfstoff verschwunden ist – sind die vier nicht mehr gesehen worden.
Das mittlere Zimmer ist vollgepackt mit Rucksäcken, archäologischem Grabungswerkzeug, Karten, meteorologischen Daten der letzten zwei Wochen, historischen Texten, und einem Tagebuch: wir lesen von einer Insel, dem möglichen Fund einer 10000 Jahre alten Scheibe… offensichtlich wurden sie von einem (ungenannten) Konzern beauftragt. Weitere Einträge berichten vom allmählichen Ausbrechen der Epidemie. Eine Technomancerin namens Squirrel hatte Kopfweh, einem Castro wurde schlecht, er ist aber wohl wieder auf den Beinen. Ein Jay und ein CC sind auf Whada Island, CC lief wohl in ein riesiges Rattennest und wurde gebissen, und es wurden menschliche Gestalten hinter Bäumen gesehen…
Während wir auf ein Fahrzeug von Loki warten, machen wir uns kampfbereit (Zillah bereitet zwei Molotov-Cocktails vor), inklusive kleinem Zwischensnack.Zillah wagt einen educated guess: an der Quelle der Geschehnisse, auf einer verwunschenen Insel, wird die Hintergrundstrahlung tendenziell eher höher als niedriger sein, dementsprechend sollten wir mit Kampfbedingungen ohne viel Magieeinsatz rechnen. Stalker und Krabat untersuchen die biologischen Spuren aus den Zimmern auf Übereinstimmung mit den Spuren vom Tatort, und erzielen Treffer bei den beiden Männern, darunter der Megastarke – was laut Loki keinen Sinn ergibt, da erstens das Team äußerst zuverlässig gewesen sei, und zweitens über keinen Herkules verfügt habe… Krabat und Zillah diskutieren kurz, dann fällt Zillah ein, daß ihr Vater früher einmal erwähnte, daß von Geistern besessene Menschen über übermenschliche Kraft verfügen können. Hurra…

Lokis CityMaster hat zum Glück auch Ausrüstung geladen, auf die wir zugreifen dürfen – Langwaffen, aber immerhin auch drei Granaten. Wir fahren los, am Hafen vorbei, zu einem Damm, der zu besagter Insel führt. Die Straße endet nach wenigen Metern vor einem Gitter, doch das Vorhängeschloß hält uns nur kurz auf, dann geht es weiter. Der Nebel um die Insel ist dicht, und verbreitet eine Stimmung geprägt von Tod und Verzweiflung. Kevin, Krabat und Zillah fühlen sich zunehmend ausgelaugt. Die laute Brandung könnte beinahe ein dunkles Brummen überdecken, doch wir hören es trotzdem, klingt wie ein alter Schiffsmotor, und es wird langsam lauter als wir uns unseren Weg suchen. Wir finden die Quelle des Geräuschs auf einer Lichtung im Inneren der bewaldeten Insel, Menschen laufen dort herum, und Krabat erkennt mit seinen scharfen Augen, daß das Brummen von drei laufenden Schneekanonen kommt. Die schemenhaften Figuren füllen von einem Haufen (dem Geruch nach Nagerfäkalien… zum Glück haben wir unsere Atemmasken) Material in die Kanonen. Perfide…
Nicht weit entfernt davon sehen wir auch die gesuchten Kisten mit dem Telestrian-Logo. Der folgende Kampf erweist sich als schwierig, Stalker geht gelähmt zu Boden und rettet sich in die VR, und als Loki sich um die Kisten kümmern will geht er mit einem Knall zu Boden – der mies grinsende Dr. Auslander hinter ihm (ahnten wir es doch…) scheint der Obermufti zu sein. Mit Ach und Krach, etwas Blut und jeder Menge Spucke liegt er schließlich bewußtlos vor uns, fängt sich den obligatorischen Tritt ins Skrotum (und einen extra in die Fresse), und wird ebenso wie seine Kumpane fachgerecht verschnürt.
Zillah erkennt mit geschultem Blick, daß alle Gegner von grauenvollen Geistwesen besessen sind, die sie noch nie gesehen hat, ihre Auren sind tiefschwarz und voller Tod und Verderben. Loki läßt mit einem kurzen Telefonat Spezialisten einfliegen, die sich direkt an die Verbannung machen. Auf Zillahs Frage nach der Art der Geister teilt Loki ihr mit, daß es sich wohl um Shedim handelte – okay, das meinte Adam wohl damit, daß die Aura eines Shedim unverkennbar sei. Zurück in der Klinik wird der Impfstoff schleunigst ausgegeben, wir können uns dort in einem abgelegenen Raum etwas ausruhen.

Als wir aufwachen, ist Loki bereits weg und unser Geschäftskonto prall gefüllt, er hat wohl eine Gefahrenzulage draufgepackt. Auf dem Rückweg zum Flughafen gönnen wir uns darum noch eine lokale Spezialität, frischen Fisch, das haben wir uns nach dem Tag wirklich verdient…

Comments

luetti

I'm sorry, but we no longer support this web browser. Please upgrade your browser or install Chrome or Firefox to enjoy the full functionality of this site.