Im Schatten des Doms

Budapest und eine Leiche im Keller
wenn kleine Schwestern erwachsen werden

Noch am Freitagabend haben wir einen Flug zurück nach Köln bekommen, so daß wir kurz vor Mitternacht wieder landen.

Samstag, 15. Dezember 2074

Tagsüber sind Krabat, Stalker und Kevin damit beschäftigt, Kevins Sachen aus seiner Bude in die Feuerwache zu bringen. Er schafft es auch, einen Termin mit seinem Vermieter für nächste Woche auszumachen, um das Mietverhältnis zu beenden. Das Wetter ist für Kölner Verhältnisse bitterkalt, aber trocken. Der Umzug ist schnell erledigt, am frühen Abend sitzen wir alle gemütlich im Wohnzimmer, während Krabat Pizza in den Ofen schiebt.
Zillah bekommt eine Mail, eindeutig Spam, über einen gewonnenen Aufenthalt in Budapest, inklusive einer Einladung ins Szimpla Kert… stutzt dann jedoch: der Name Kaltenstein wirkt doch irgendwie bekannt. Sie zeigt die Mail Krabat und Stalker, die gucken kurz und machen sich dann an die Buchung der Reisegelegenheit.

Sonntag, 16. Dezember 2074

Am frühen Morgen fahren wir los, die Zugfahrt inklusive Grenzübertritte sind unproblematisch. In Budapest angekommen, bringen wir unsere Sachen noch in unser Hotel und gehen dann zu diesem Club. Der Einlaß macht keine Probleme, dann sitzen wir erst mal rum und trinken Cocktails.
Nach einer Weile kommen Krabat und Zillah auf die Idee sich nicht nur umzusehen, sondern auch „umzusehen“. Nachdem sie eine Weile in ihrem Gedächtnis gekramt hat, fällt ihr auf daß der Ork da hinten eigentlich ein Mensch ist. Und merkwürdig bekannt. Vor allem die sehr zahlreiche, sehr teure Cyberware…
Nach einer kurzen Begrüßung schiebt Zelazny (wer sonst) uns Kabel rüber, die wir in unsere Kommlinks stecken. Wir bringen ihn auf den neuesten Stand. Er meint, daß militärische Ausrüstung notwendig ist und damit ein schwergewichtiger Fürsprecher. Nur Loki fällt uns ein, immerhin ist sein großer schuppiger Klient immer an Forschungsergebnissen der Konkurrenz interessiert. Wenn wir da was organisiert haben, sollen wir wieder Kontakt mit Zelazny aufnehmen: „Downhillforum der Eifelfreunde. Eröffnet einen Thread zur Frage, welche Reifen am besten geeignet sind und beschließt das Posting mit „*zurücklehn* Popcorn nehm *zuschau*“. Dann verabschiedet er sich mit breitem Grinsen.
Wir bleiben verdattert zurück. Zillah versucht irgendwie Kevin zu erklären, worum es geht, ohne zu erzählen, worum es wirklich geht. Krabat ruft derweil Loki an, der auch sofort abnimmt (er sitzt gerade in irgendeinem tödlich langweiligen Meeting). Nach ein paar Stichworten verabreden wir uns für Donnerstag oder Freitag, da sei er gerade im Pott.
Dann gehen wir über zum lustigen Teil des Abends; vor allem Stalker hat Spaß damit, die Cyberkleidung anderer zu hacken…

Montag, 17. Dezember 2074

Nachmittags kommen wir nach Hause.
Stalker kümmert sich um das Datenpaket aus Chicago und überspielt es auf einen Rechner. In den nächsten Tagen beschäftigen sich die Herren damit, diverse Dinge zu üben, unter anderem auf dem Schießstand, und ansonsten rüsten wir unsere Arbeitskleidung etwas nach.

Mittwoch, 19. Dezember 2074

Krabat denkt sich, er sollte mal wieder bei seiner Sippe vorbeischauen. Marina und sein Vater sind da, Malina ist unterwegs. Erstaunlicherweise scheint sein Vater sehr viel klarer zu sein als sonst. Er betrachtet ihn sich genauer, und auch seine Aura wirkt viel entspannter. Seit einer ganzen Stunde Besuch hat er auch noch nichts getrunken…
Nach einer Weile fragt Marina, ob Krabat Zeit hätte, anscheinend hat Malina Schwierigkeiten. Sie steckt in einem Keller fest, weil sie Lucy helfen wollte… „Wer ist Lucy?!“… „Ähm, eine Freundin aus der Kirche.“ Er ist verwirrt und ein wenig wütend, aber natürlich versucht er dann irgendwie zu helfen. Sie schickt ihm die Adresse, irgendwo in einer Pulheimer Wohnsiedlung. Er ruft Zillah an, die sagt Stalker und Kevin Bescheid. Wir treffen ihn bei seinem Alten.
„Lucy hat erzählt, daß sie Probleme mit ihrem Nachbarn hat. Ich wollte nur gucken, ob er Leichen im Keller hat… und da war wirklich eine. Jetzt ist er nach Hause gekommen und sitzt oben vor dem Trid…“
Krabat sucht den Namen zur genannten Adresse während der Fahrt dorthin: Utku Afci, mehr als einen öffentlichen Mefeed-Account findet er nicht. Seine Tattoos auf den Fotos sehen aber sehr stark nach der Graue Wölfe Maffiya aus.
Stalker scannt derweil schonmal die Umgebung, findet aber nur Icons von Komms und Haushaltsgeräten.

Zillah geht astral in den Kellerraum, findet dort Malina, deren Aura verdächtig funkelt – da ist wohl jemand erwacht. Aber die Leiche ist natürlich viel interessanter, wenn auch schon ziemlich von Maden zerfressen. Kevin ist so voreilig und rennt direkt zum Kellerfenster, ungefähr so elegant und unauffällig wie ein Nilpferd im rosa Tütü. Zillah denkt sich, na, wenn er so ungeduldig ist, soll er halt. Der Anwohner wird zunehmend unruhiger, weswegen Stalker sein Trid röstet, um zu verhindern daß er den Keller aufsucht. Kevin schafft es im zweiten Anlauf, Malina aus dem Kellerfenster zu heben, und sobald sie den Kopf rausstreckt macht Zillah sie unsichtbar, bevor sie selbst in den Keller zu Kevin runterklettert. Offensichtlich ist die Leiche eingemauert, seit ca. 2-3 Wochen, astral erkennbar durch den deutlich sichtbaren Madenteppich. Stalker löst währenddessen noch den Feuermelder aus, der von Afci in einem akuten Wutanfall zerlegt wird bevor er auf die Rückfrage der Feuerwehrleitstelle irgendwelche weiteren Daten senden kann. Die Feuerwehr ist also auf dem Weg, und Krabats Anruf bei Jaworski sorgt für zusätzliche Polizeibeteiligung. Wir warten gemütlich in einer unbeobachteten Ecke und filmen die Party, während Krabat das moralische „großer Bruder“-Gespräch mit Malina führt. Zillah kann sich die dreckige Lache nicht verkneifen, während sie Krabat erklärt, daß Malina wohl bei den Katholen am besten aufgehoben wäre. Malina bestätigt, daß sie vom Heiligen Martin ein paar Dinge gezeigt bekommen hat… Der Priester in der Gemeinde von Krabat und ihr ist wohl vertrauenswürdig genug, daß sie ihn als Beichtvater einweihen und um Rat bitten kann.
Das Filmmaterial verticken wir wie schon öfter an Schuster, der uns das mit 500€ vergoldet. Sogar ein Interview mit Jaworski kriegt er noch hin, das dann über die Nachrichtenkanäle flimmert.

Donnerstag, 20. Dezember 2074

Loki schickt uns tagsüber eine Einladung fürs Infinity, Treffen um 22:00. Als wir ankommen, werden wir in eines der Separees im VIP-Bereich verwiesen, „Herr Loki“ warte bereits. Auch Elric ist da, offensichtlich von Loki angeheuert. Wir können den Abend also getrost mit Smalltalk beginnen.
Dann geht es aber auch schon zur Sache, wir berichten worum es geht. Es klingt offensichtlich so interessant, daß Loki immerhin eine Chance sieht einen Interessenten zu finden. Solange es sich nicht um Ares, MET2000 oder einen Geheimdienst handelt. Wir müssen warten.

Weihnachten und Neujahr verstreichen…

Freitag, 4. Januar 2075

Stalkers Kommlink klingelt, das hat es schon Ewigkeiten nicht mehr getan… Frau Schmidt-Eisenfaust ist dran. Sie hätte einen Klienten in der Leitung, der auf der Suche nach einem fähigen Team sei. Stalker schafft es noch rechtzeitig, Krabat zur Telefonkonferenz dazuzuschalten, bevor das Icon eines unverschämt großen Riesen erscheint, Grendel sein Name. Er fragt, ob man sich morgen in Manhattan treffen könne. Die Koordinaten weisen auf ein Sarghotel, das „Stokers“, im Stadtteil Terminal… wir buchen dann mal wieder einen Flug.

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Der Milk Run in Chicago...

Wir erledigen noch ein paar Dinge, bevor wir uns auf den Weg machen. Nein, Khaled hat leider keine Verwandtschaft in Chicago, aber ein paar Besorgungen können wir auch hier erledigen. Dann packen wir unsere Sachen, machen uns auf den Weg zum Flughafen, und fliegen nach Chicago.

Donnerstag, 13. Dezember 2074

Angekommen in Chicago nehmen wir ein Taxi zu Chicago’s Own Pizzeria… ein abgeranzter Laden ohne jegliche AR-Reklame, aber einen derart mundwässernden Duft nach Kruste und echtem Fleisch verbreitend, daß wir schleunigst nach drinnen gehen. Ein Tisch ist für uns reserviert und eine Dame hispanischen Typs, inklusive einiger Modifikationen, wartet dort bereits auf uns. Nach einer kurzen höflichen Begrüßung kommen wir direkt zur Sache:
In der Containment Zone müssen zwei altersschwache Signalverstärker mit neuen Relais versehen werden, pro Person sind dafür bei Erfolg 4k für uns drin, davon 500 im Voraus. Wir stimmen zu.
Sie gibt uns die Relais, und auch Kartenmaterial mit Arrows auf den Sendeknoten: Einer ist im Tower des Midway Airport, der andere mitten im Garfield Park. Beide Relais wurden bei Errichtung der Containment Zone aufgebaut, kurz nach dem Crash also, eventuelle Magschloßcodes sind mittlerweile nicht mehr bekannt. Fürs Shopping empfiehlt sie uns noch die „spezielle Auswahl“ in Daves Gemischtwarenladen. Dann widmen wir uns erst mal dem wichtigen Teil: dem Essen.
Währenddessen sondieren wir die Lage, studieren das Kartenmaterial und bestellen dann doch noch einen Mietwagen. Stalker kapert aber erst noch das GPS der Karre, damit niemand sieht wohin wir wirklich fahren.
Bevor wir uns auf den Weg in die Zone machen besuchen wir noch Dave, dessen spezielle Auswahl im Separee echt hilfreich ist. Wir fühlen uns jedenfalls sehr viel sicherer, als wir uns mit Einbruch der Dämmerung langsam der Zone nähern.
Wir sehen die zwei Stockwerke hohe Mauer schon aus einiger Entfernung, die Wachtürme an dem Tor das wir uns rausgesucht haben sind verlassen. Sobald wir durch sind, halten wir unsere Waffen griffbereit. Die Straße wird zunehmend holpriger, teilweise müssen wir wegen Resten eingestürzter Wolkenkratzer Umwege fahren. Unser Weg führt uns zuerst zum – offiziell stillgelegten – Midway Airport. Unsere Recherche ergab, daß er in Wirklichkeit ein reger Umschlagplatz für Schmuggler ist, doch während des aktuellen Schneetreibens ist der Flugverkehr zum Erliegen gekommen.
Bei einer astralen Sondierung der Lage ergibt sich, daß der Tower bewacht ist, unten von zwei genervten Menschen, aber oben von einem Wachgeist. Aufgeschreckt von einer vermutlich durchblickten Tarnung bläst Zillah zum Abmarsch. Wir entscheiden spontan, doch zuerst zum Garfield Park zu fahren. Dort ist die Luft definitiv rein. Nach kurzer Zeit findet Stalker den als Baum getarnten Sendeknoten, dessen mit Magschloß gesicherte Klappe Krabat schnell öffnen kann. Kevin und Zillah halten die Umgebung im Auge, und nach etwa 40 Minuten hat Stalker das Relais ausgetauscht.
Wir gehen direkt zum Auto zurück. Krabats Komm klingelt sofort, als das neue Relais seine Arbeit aufgenommen hat und das Matrixrauschen verschwindet. Darius ist dran, anscheinend hat er noch einen weiteren Job in Chicago, ein Johnson ist direkt in der Leitung. Darius‘ Konterfei wird durch das von Loki ersetzt, freudig überrascht beginnt er zu erzählen: Es geht um Datenwiederbeschaffung, Daten von Lofwyr persönlich. In einem verlassenen Labor in der Containment Zone sollen die Daten gesichert und einem Paket über eine gesicherte Leitung zur Verfügung gestellt werden, sollte es Hardware geben, würde er dafür ebenfalls einen Weg finden, 3k pro Person sind für uns drin – wir sagen zu.
Das Ziel ist Janus Industries, 1501 North Green View Ave, nördlich der Interstate 90. Auch die Zugangscodes sind verlorengegangen, deswegen müssen wir selbst schaun wie wir da reinkommen. Von Interesse sind vor allem die alten Forschungsdaten und ein Besitznachweis.
Wir grübeln über die Lage unserer nun zwei nächsten Stationen… eigentlich wäre es sinnvoller erst das zweite Relais auszutauschen. Da laut Recherche ein Schmugglerring derzeit die Kontrolle über den Flughafen hat, sollte eine Möglichkeit bestehen zu verhandeln… wir versuchen es. Wir fahren vor, Krabat steigt aus und läuft auf die Wachen zu. Die blicken nervös um sich, klopfen an die Tür, und kurze Zeit später kommt ein grimmig dreinblickender Zwerg heraus. Zillah begutachtet ihn, er ist erwacht, hat drei Geister um sich, unter anderem den schon bekannten Geist vom Tower. Krabat ist zum Glück sehr eloquent und der Schamane läßt sich sehr gut davon überzeugen, daß es auch für die Schmuggler von Vorteil ist ein besseres WiFi zu haben und für Quantum Princess künftig die Wartung zu übernehmen.
Krabat und Stalker dürfen das Relais austauschen und folgen dem Zwerg nach drinnen, Zillah und Kevin warten währenddessen im Auto. Zillah versucht schonmal das erwähnte Labor auf astralem Weg zu finden und die Lage zu sondieren. Nach etwa einer halben Stunde ist Stalker fertig mit seiner Arbeit, auch die Schmuggler sind jetzt deutlich weniger skeptisch wo sich das WiFi-Signal schlagartig verbessert hat. Damit wäre dieser Job erledigt, und Krabat schickt eine Nachricht an Quantum Princess und informiert sie auch über den Deal mit den Schmugglern.

Zillah beendet den Versuch astral zum Labor zu gelangen vorzeitig, da auf dem Weg die astralen Aktivitäten doch eher recht hoch sind. Wir sollten erst mal näher an unser Ziel ran…

Gerade als Krabat und Stalker wieder im Auto sitzen und wir losfahren wollen, klingelt wieder Krabats Komm , und wieder ist es Darius als Vermittler für einen Johnson. Er gibt die Leitung frei für einen südamerikanisch aussehenden Troll mit einem langen Pferdeschwanz. Juan Xihuitl nennt er sich, wir sollen eine verschollene junge Dame in der Containment Zone ausfindig machen und an den LoneStar-Cop Nick Ryder übergeben, weil er dem noch einen Gefallen schuldig ist. 3k pro Person ist ihm das wert…
Wir halten ihn hin, während Stalker mal schnell Ryder durch die Suchmaschinen jagt. Wir bekommen nur raus, daß es seit 10-15 Jahren eine Person mit diesem Namen bei LoneStar Chicago gibt, die sich wohl durch ihren deutlichen Eigensinn beim Kampf für die gute Sache auszeichnet. Ok, das beruhigt unser merkwürdiges Gefühl ein wenig, zumindest genug um zu verhandeln und dann zuzusagen. Wir sollen eine Menschenfrau namens „Samantha“ suchen, groß, braune Haare, SIN- und obdachlos, wurde zuletzt auf den Straßen des Maker-Kollektivs (laut kurzer Recherche ein kleiner Bezirk am nördlichsten Rand der Containment Zone) gesehen. Zudem kriegen wir eine Telefonnummer, unter der wir Nick Ryder erreichen können, Übergabe soll dann in Chicago’s Own Pizzeria sein.
Nun aber fahren wir erst einmal zum vermeintlichen Labor, das Gebäude in dem es sich befinden soll sieht aber eher aus wie eine ehemalige Schule, verbarrikadiert und mit einem „Ianus“-Schild obendrüber. An der südöstlichen Ecke gibt es eine offenstehende Tür, die von einer Schneewehe blockiert ist und damit wahrscheinlich schon länger offen ist. Eine Matrixsuche bleibt negativ, anscheinend gibt es hier keine Geräte mit aktivem WiFi. Wir gehen rein…
Im Keller finden wir in einem Raum einen Zwerg auf dem Boden liegen, dessen Genickstellung nicht mit dem Leben vereinbar ist, geschätzt ist er seit einer Woche tot, dazu zwei ebenso tote Menschen, die laut Kevin wohl mit bloßen Händen totgeprügelt wurden. Auf einem kleinen Tisch liegt ein Skalpell, ein offenes Medkit, ein Kommlink und ein medizinisches Implantat, alles mit Blut bedeckt. Das Kommlinkmodell ist definitiv nicht zehn Jahre alt. Die Kulisse für dieses Kriminalpuzzle bilden zwölf Klontanks, elf davon gefüllt, einer zerbrochen und offensichtlich leer. Zillah fragt in den Raum: „War das Samantha…?“
Stalker liest das Kommlink aus; die neuesten Daten sind ein Video, das zeigt wie eine dunkelhaarige Frau, die aussieht wie die in den elf andren Tanks, das Komm als Blickhilfe nutzt, um sich das von uns entdeckte Implantat aus ihrem Nacken rauszupopeln. Weitere Daten auf dem Komm ergeben, daß es sich wohl um ein explosives Implantat handelt… außerdem finden sich die Zugangsdaten zum hiesigen Host, dem Stalker sich direkt zu widmen beginnt während Kevin sich über Ianus informiert und herausfindet, daß es sich um ein Forschungsunternehmen handelt das von Hephaistos Industries gekauft wurde; sobald Stalker Zeit dafür hat, setzt er ein paar Rechercheprogramme auf weitere Verbindungen und Hintergrundinfos an. Zillah dokumentiert mit Krabat die Szenerie und sichert biologische Proben, dann nimmt sie den kaputten Tank psychometrisch unter die Lupe. Aus seiner Sicht erlebt sie mit, wie der Klon darin plötzlich die Augen aufreißt, den Tank kaputtschlägt und ihn verläßt. Die Einstellungen des Tanks unterscheiden sich laut Kevin nicht von denen der anderen elf, und in den letzten Jahren muß die Anlage auf jeden Fall aktiv gewartet worden sein. Eine psychometrische Untersuchung der Tür ergibt, daß sie vor einer Woche nach einem Alarm von einem der toten Menschen aufgerissen wurde, ihm folgten die beiden anderen Toten. Der Zwerg flog gegen die Tür, wobei er sich das Genick brach. Die Frau durchsuchte den Zwerg, nahm sich sein Kommlink, und verließ eine Weile später den Raum; vor dem Alarm war keine Bewegung wahrzunehmen. Nach kurzer Suche finden wir auch dem Wachposten, von dem aus die drei ursprünglich operiert haben.
Neuestes Ergebnis von Stalkers Bots: Ianus wurde kurz nach dem Crash von der University of Chicago und Argon National Labs gegründet.
Wir verlassen das Labor und machen uns auf den Weg ins Maker-Kollektiv, quasi eine Stadt in der Stadt. Eine Ansammlung von Einkaufszentren, untereinander verbunden mit segeltuchüberspannten Durchgängen. Nirgends war in letzter Zeit der AR-Spam stärker als hier. Es handelt sich offensichtlich um eine wirtschaftlich florierende Gegend.
Krabats Menschengespür ist ungeschlagen. Nach kürzester Zeit findet er jemanden, der bei einem „Pharmahersteller“ tätig ist, der eine Frau gesehen hat, auf die Samanthas Beschreibung zutrifft. Sie trug nur eine viel zu große Panzerjacke und einen blutverschmierten OP-Kittel, und hat sich etwas dazuverdient um sich im benachbarten Bürogebäude eine Unterkunft anmieten zu können.
Wir beschließen, ihr erst einmal frische Kleidung und Toilettenartikel zu besorgen. Krabat bequatscht dann den Pförtner, er nennt uns den 3. Stock, Zimmer 117. Wir gehen weiter während er unauffällig den Fünfer verschwinden läßt, der woher auch immer kurz zuvor auf der Theke aufgetaucht war. Die Kamera im Gang manipuliert Stalker direkt, dann klopfen wir.
Sie ist gesund, unterernährt, mundan, die Wunde im Nacken ist ihre einzige Verletzung. Vor ein paar Tagen hat sie wohl mal FAB3 eingeatmet, aber es ist nichts mehr übrig. Sie ist voll bis oben hin mit Delta-Bioware… und eine Technomancerin. Stalker sieht ihr biologisches PAN, das von einem Datensprite überlagert wird, anscheinend ist das ihr Freund, Remo. Wir staunen mit großen Augen und halten ihr einen Schokoriegel hin.
Daß sie Technomancerin ist könnte erklären, wieso sie überhaupt aufgewacht ist. Wir überreden sie dazu, ihre Panzerjacke hier zu lassen (weil zu auffällig) und mit uns das Weite zu suchen, damit ihr nichts passiert – wir haben offensichtlich beschlossen, irgendwie ihre Haut zu retten. Das heißt wir müssen herausfinden wie integer Nick Ryder ist, um zu wissen wie wir weiter vorgehen. Krabat unterhält sich derweil mit Samantha und Remo. Mit genug Zeit findet Stalker diesmal auch mehr über Ryder, der kurz vor der Buginvasion zu LoneStar kam, mittlerweile Mitte 40 und dem Alkohol nicht abgeneigt ist. Anscheinend ist er weniger korrupt als sein Arbeitgeber, was ihm nicht immer gute Presse einhandelt. Der Johnson stammt tatsächlich von Aztech, steht auf professionelle Arbeit und betrachtet Runner als austauschbare Aktivposten, sammelt jedoch gerne Gefallen um weitere Aktivposten für zukünftige Planungen zur Hand zu haben.

Freitag, 14. Dezember 2074

Wir sitzen im zunehmend beengten Auto und diskutieren unsere Möglichkeiten. Einer der Recherchebots meldet sich: Hephaistos gehört zu Shiawase und besitzt Ianus seit 2052. Wir erklären Samantha, daß wir prinzipiell jemanden an der Hand hätten, der ihr helfen könnte, ein höchstwahrscheinlich vertrauenswürdiger Cop. Mit ihrer Einwilligung vereinbaren wir das Treffen. Wenig später sitzen wir mit Ryder bei Chicago’s Own Pizzeria und erfahren ein paar Hintergründe zu diesem Fall:
Samantha Carroll, kleines Stück Wahrheit in einer alten Polizeiakte. Samantha wurde 2053 als 6-jähriges Mädchen mitten auf der Straße entführt, den Fall bekam er auf den Tisch als er gerade eine Woche bei LoneStar war. Nach dieser Erzählung und unserer Entlohnung eskortiert er sie nach draußen.

Wir übermitteln die Daten an Loki, kassieren die Kohle, und diskutieren dann bei unserer „Pizza“ die aktuelle Gesellschaftersituation der Detektei…

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Who you gonna call?
Oma Ernas Rache

Nachdem wir aus Seattle zurück sind, haben wir erstmal ein bißchen Zeit, uns auszuruhen. Es ist nicht viel los. Die spannendste Nachricht ist eine unsagbar nervtötende Spam-Werbemail von Elric, daß er jetzt auch Waffenmodifikationen anbietet.

Montag, 10. Dezember

Vormittags klingelt das Telefon in der Detektei: die Anzeige sagt „Blumental, Gunther“.
Er fragt, ob wir spontan etwas Zeit hätten – er könnte unser Team heute als Unterstützung bei einer Ermittlung brauchen. Krabat sagt allen Bescheid, und eine Dreiviertelstunde später stehen wir alle vor dem Eingang des LKA. Es ist kalt, Zillah friert. Zum Glück, denkt sie sich, gehen wir direkt rein. Der Pförtner gibt uns nach der Anmeldung die Besucherausweise, die uns automatisch alle Türen auf dem Weg zu Blumentals Büro öffnen.

Blumental springt auf als er uns sieht und gibt allen die Hand. Er weist uns den Weg zu seinem Besprechungstisch, dann beginnt er vom aktuellen so schwierigen Fall zu berichten:
„Wir hatten gestern einen Mord, ein Opfer, einen Tatverdächtigen und Spuren. Aber die Beweise passen sowohl zu unseren Ermittlungen wie auch zu seiner Aussage. Der Tatverdächtige hat ein externes Ermittlerteam engagiert um unsere Ermittlungen zu widerlegen. Deswegen bitte ich Sie um Ihre Hilfe.“
Das andere Team arbeitet wohl auch gerne mal ehrenamtlich wenn es um die Gerechtigkeit geht, erfahren wir, und heißt „Detektei Made“. Offensichtlich haben sie bereits in einigen Fällen obskure Theorien bewiesen…
Der Tatort ist mal wieder in Chorweiler, die Leiche befindet sich in der Rechtsmedizin.
Rekonstruktion der Polizei: Opfer Ines Leo, Mensch, weiblich, schulterlange dunkle Haare, etwas korpulenter; Verdächtiger Ronne Leo, Mensch, männlich, Ehemann des Opfers; beide Mitte 40. In der Vergangenheit waren bereits Fälle häuslicher Gewalt bekannt. Im Streit, wird vermutet, habe er sie vom Balkon gestoßen. Das Opfer verfügt über ein Hämatom am Rücken, genau auf Höhe des Geländers. Sie prallte frontal mit dem Gesicht auf den Asphalt, weswegen die Spurenlage hier eingeschränkt ist. Beide haben zudem verteilte kleine Hämatome am Körper, die auf vorausgegangene Handgreiflichkeiten hindeuten.
Version des Tatverdächtigen: Die Frau hat grundlos Streit angefangen, dann hätten sie sich geprügelt. Sie wäre auf den Balkon gerannt und hätte sich dann hinuntergestürzt.
Auf jeden Fall hat der Verdächtige direkt nach dem Sturz bereits den Notruf gerufen…

Wir begeben uns zum Tatort. Kevin geht direkt hoch und meldet sich beim diensthabenden Polizisten, der Rest bleibt erst mal unten, Zillah möchte sich der Absturzstelle widmen, Stalker sucht nach Kameras mit geeignetem Blickwinkel. Der Beamte informiert Kevin darüber, daß das andere Ermittlerteam auch vor Ort ist. Als Krabat die Nachricht liest, geht er direkt auch hoch. Kevin passiert die Absperrung und findet dahinter eine blasse Dame, groß, hager, dunkle Haare und mit leicht gespitzten Ohren. Die Dame guckt etwas merkwürdig, als er den Raum betritt. „Sie sehen nicht aus als wären Sie bei der Polizei… Verzeihen Sie meine Unhöflichkeit, Amalia“, sie streckt ihm ihre Hand hin. Allerdings möchte Kevin keine Konversation betreiben – ist er so schüchtern? – und wartet lieber bis Krabat oben ankommt.
Zillah benötigt eine ganze Stunde um die Absturzstelle zu untersuchen. Sie stellt fest, daß das Opfer erst kurz vor dem Aufprall zu schreien begann. Während des Aufschlags war sie sehr schockiert, aber auch schon recht schnell tot. Weitere Detailbeobachtungen ergeben, daß ihre Aura erst die letzten 7m Flugphase alleine unterwegs war… davor hat sie eine Geisteraura begleitet. Bei einem Sturz aus dem 12. Stock sind 7m nicht viel.
Irgendwann erzählt Amalia dann Kevin auf die Frage, woraus sie spezialisiert sei, daß sie sich hauptsächlich mit magischer Forensik beschäftigt, aber auch mit „üblicher“ Forensik. „Dafür bin ich nicht geeignet“, antwortet er. „So sehen sie gar nicht aus“, grinst sie. Dann kommt zum Glück auch schon Krabat, und endlich taut das Gespräch auf.
Während Krabat mit seinem – mittlerweile erstaunlich – geschulten Auge den Tatort inspiziert, fällt ihm auf, daß die Tatortrekonstruktionen der Polizei mittlerweile verdammt gut geworden sind. Dann geht er zum Askennen über.
Während Zillah dann auf dem Weg nach oben ist, ist Stalker auch mit der mühseligen Aufbereitung eines Videos der einzig günstig ausgerichteten Kamera der Gegend fertig; er schickt es uns mit dem Kommentar „Krasser Scheiß!“ und ein paar Katzenvideos, zur Aufmunterung. Man sieht auf dem Video die Mimik des Opfers, wie es sich von einem Grinsen kurz vor dem Aufschlag in ein entsetzt verzerrtes Gesicht verwandelt, dann versucht es noch die Hände vors Gesicht zu halten.
Als Zillah oben ankommt, untersucht sie die Wohnung selbst nochmal astral, insbesondere das Balkongeländer. In der Rückschau aus dessen Blickwinkel sieht sie, daß Ines gegen das Geländer geschleudert wird, dann lehnt sie daran; aber dann stellt sie sich mit den Füßen auf das Geländer und stürzt sich hinunter.
Amalia ist anscheinend zutiefst beeindruckt von Zillahs Ausführungen. Die Suche nach der Geistersignatur unternehmen sie zu dritt und stellen recht schnell fest, daß sie in der gesamten Wohnung zu finden ist. Sie stammt wohl vom Geist eines Verstorbenen, der sehr auf Rache gesinnt ist. Eine Nachfrage bei Blumental ergibt, daß wohl vor Kurzem die Großmutter von Ronne mit 98 verstorben ist, die er bis zuletzt gepflegt hat.
Stalker durchsucht die sozialen Medien nach Spuren der Dame, Oma Erna, um einen Eindruck ihrer Persönlichkeit zu bekommen. Sie war, da sie wohl sieben Katzen ihr eigen nannte, überaus aktiv in Katzenforen. Die ca. 60 Postings pro Tag offenbaren doch sehr viel ihres cholerischen und besserwisserischen Charakters. Sie war ein recht beeindruckender Forentroll, wir finden sogar noch Postings von ihrem Todestag. Dann fahren wir zu ihrer ehemaligen Wohnung ein paar Straßen weiter. Kevin besticht den schmierigen Nachmieter mit Eishockeykarten, damit Krabat, Amalia und Zillah die Wohnung untersuchen können. Relativ schnell finden sie auch hier Spuren des Geistes… und wenig später steht da eine etwas grantig dreinblickende Oma Erna, mit der wir uns prächtig unterhalten. Sie gibt direkt zu, die Frau ihres Enkels umgebracht zu haben, um aus Rache sein Leben zu zerstören – denn offensichtlich hat ihr Enkel sie mit ihrem Lieblingskissen erstickt, das sich auch noch in der Wohnung des Verdächtigen befinden sollte.
Wir vereinbaren mit ihr, sie unserem Polizeikontakt vorzustellen, als Treffpunkt vereinbaren wir die Wohnung ihres Enkels. Wir verwirren Blumental erfolgreich mit unseren Ausführungen, er ist jedoch direkt zu einem Treffen bereit. In der Wohnung unterhält er sich auch ausführlich mit der Großmutter, die ihm unsere Ausführungen bestätigt. Er verspricht ihr, das Kissen untersuchen zu lassen, dann überweist er uns zum Dank zwei Tagessätze für die schnelle und hervorragende Arbeit.
An dem Kissen lassen sich dann auch tatsächlich Gewebespuren von Oma Erna finden, damit konfrontiert gesteht Ronne die Tat und wird auch recht bald angeklagt.

Mittwoch, 12. Dezember

Abends sitzen wir zu viert beim Abendessen in der Feuerwache, als Darius bei Krabat anruft.
Ob wir gerade verfügbar seien? Klar! Anscheinend ist es gerade heiß in Chicago (im Dezember?!?)… seine Bekannte Quantum Princess bräuchte ein fähiges Team. Stalker fällt die Kinnlade runter als er den Namen hört. Darius vermittelt uns ein Treffen mit ihr, am nächsten Tag, im „Chicago’s Own Pizzeria“… als wir lesen, daß sie über eine eigene Schlachtung verfügen und nur hochwertige, echte Zutaten verwenden, buchen wir den Flug.

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Big Fledervieh
Intermezzo I

Krabat liegt in seinem Bett, und wälzt sich hin und her als er spürt wie seine Panzerweste durchschlagen wird. Es wird heiß, brennend heiß, dann schlägt er auf dem Boden auf.

Als er seine Augen öffnet, ist alles dunkel. Bei dem Versuch zu erkennen, woher das komische Gefühl an seinem Ohr stammt, bemerkt er, daß er durch Rabes Krächzen geweckt wurde, der genüßlich an seinem Ohr herumpickt. Um sich herum beginnt er Schemen zu erkennen als Rabe langsam zur Seite hüpft und dann wegfliegt.
Als Krabat aufsteht, beginnt er Stimmen zu hören, die anscheinend nach ihm rufen. Er überlegt kurz – sie klingen doch verlockend – aber dann fällt ihm auf, daß Rabe in die andere Richtung fliegt. Er ist kurz verwirrt, aber dann kommt Rabe zurück, fliegt auf seine Schulter und pickt noch vehementer am Ohr rum. Die Stimmen werden immer lauter und verlockender, ein silberner Streifen Horizont erscheint, völlig fasziniert starrt Krabat in seine Richtung. Rabe zieht nochmal kräftig am Ohr, dann fliegt er wieder weg.
„Rabe weiß immer, wo es was zum Essen gibt“, denkt sich Krabat und folgt ihm nun doch. Der Boden unter ihm wird immer matschiger und dichte Nebelschwaden ziehen auf. Es wird schwer, Rabe zu folgen, doch schließlich schafft er es zu einem Portal zu gelangen, hinter dem es gleißend hell ist. Davor steht eine riesige menschenähnliche Fledermaus, über die Rabe geflissentlich hinwegfliegt. Als Krabat ihm folgen will, versperrt der Wächter ihm den Weg: „Das ist nicht Dein Weg! Du bist hergekommen, um in die andere Richtung zu gehen.“
Krabat versucht ihn eindringlich davon zu überzeugen, daß er seinem Freund folgen muß, doch er schmettert es ab: „Der darf das, Du nicht!“ Krabat wird zunehmend hilfloser. Zum Glück kommt Rabe zurück und guckt dämlich: „Gib Dir halt Mühe!“
„Warum sollte ich Dich denn durchlassen?“
„Weil ich meinem Schutzgeist vertraue. Er hat mich noch nie angelogen und weiß immer, wo es lecker Essen gibt.“
Dann beginnt Krabat immer schneller zu reden, von seinen Schwestern, seinen Freunden, dem Essen, seiner Mission, und überhaupt seinem ganzen Leben. Wenn man hinsehen würde könnte man sehen, daß der Wächter genervt das Gesicht verzieht. „Gut, ok, hör schon auf! Dieses eine Mal lasse ich Dich durch!“
Dann macht es puff, und die Fledermaus verschwindet in einer Rauchwolke. Munter streitend über diese mehr oder weniger gelungene Performance gehen Krabat und Rabe durch das Portal…
Krabat merkt, wie er auf dem Schiff aufwacht, über ihn gebeugt ein völlig durchgeschwitzter Kevin, der gerade wohl schwer beschäftigt damit war ihn zu verarzten. „Du bist wieder hier!“ Kurz darauf setzt er ihm eine Spritze an, und Krabat versinkt wieder in tiefem Schlaf.

Kurz darauf wacht er schweißgebadet in seinem Bett auf. „Okay, das war wohl doch etwas heftiger“, denkt er sich.

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Atlantis? Ja nee, is klaar...

Die Zeit vergeht…
Kevin hat ein Dojo gefunden, in dem er trainieren und seine Fähigkeiten mit dem Langstab verbessern kann, und hängt sich da auch ordentlich rein. Zwischendurch läßt er sich von Krabat unser voll legales Geschäftsmodell erklären, wodurch die gemeinsamen Abende bei Pizza öfter und länger werden. Krabat beschäftigt sich die meiste Zeit mit Networking, während Stalker in die unendlichen Tiefen des Darknet abtaucht und sich durch zahllose Hackerforen wühlt, so daß man ihn nur noch sporadisch außerhalb seiner Bude antrifft, wobei er jedesmal noch blasser und übernächtigter auszuschauen scheint.

Zillah beschäftigt sich eingehender mit Ritualmagie, nachdem sie sich immer so schwer tat mit dem Aufrechterhalten des Hüters in der Wache. Eines Abends liegt sie mal wieder im Bett und schmökert verfressen in einem ihrer Bücher, bis sie irgendwann einzudösen… sie sackt langsam nach unten und ploppt mit einem mal durch den Boden in die Küche. Rabe sitzt am offenen Kühlschrank und ißt irgendwas Undefinierbares. Zillah guckt ihn fragend an: „Suchst Du was Bestimmtes?“
Statt einer Antwort fliegt Rabe durch das offene Küchenfenster, und Zillah folgt ihm. Ihr Weg führt sie rheinabwärts und auf die andere Rheinseite, nach Chorweiler, und dort in einen Raum in dem ein altes Bett steht. „Dort haben wir doch das erste Ripper-Opfer gefunden“, denkt sich Zillah und tritt näher heran, Rabe sitzt auf dem Bett in dem das Mädchen liegt. „Moment, die dürfte da nicht mehr liegen… ok, das ist also nicht die Realität…“
Auf der Brust des Mädchens liegt ein Anhänger, den Rabe sich schnappt und Zillah im Schnabel hinhält. Als sie ihn in die Hand nimmt, wird sie überflutet von Eindrücken… sie sieht und hört aus der Perspektive der Kette die letzten Stunden von Tessa die Marco, was nicht weniger unangenehm ist als das erste Askennen des Tatorts damals. Zumindest kann Zillah sich mit dem erfreulichen Gedanken ablenken, daß das grinsende Gesicht neben dem Skalpell ganz offensichtlich dem Irren gehört, den wir als Ripper den Behörden übergeben haben.

Als sie den Anhänger vor Anstrengung losläßt, ist alles wieder weg. Als sie sich umschaut grinst Rabe sie nochmal an, dann verschwindet er mitsamt Zimmer, Bett und Leiche, und Zillah wacht in ihrem eigenen Zimmer wieder auf. Etwas verwirrt guckt sie sich um und beginnt zu überlegen. Sie fühlt sich irgendwie anders, erwacht, etwas in ihrem Geist ist klarer als zuvor. Sie greift sich die Kiste, die Kaltenstein ihr gegeben hatte, und versucht das ganze nochmal. Sie konzentriert sich, dann sieht sie sich wie sie beim Lesen einschläft. Sie versucht das Bild wie in einem Videoplayer zurücklaufen zu lassen, doch im Endeffekt erhält sie nur zusammenhanglose Schnipsel, Momenteaufnahmen des Lebens der Schachtel, in der Tasche Kaltensteins, als Kaltenstein sie aus dem Tresor holt, wie er sie Zillah gibt, wie sie sie öffnet…
Angespornt läuft sie in die Küche, um erst mal mit was Einfacherem anzufangen – dem Kühlschrank zum Beispiel. „Wo zur Hölle ist eigentlich mein Schokopudding hin verschwunden…?!“
Das Bild des Kühlschranks in den letzten Tagen ist sehr viel geordneter. Als sie verfolgt, wer wann welches Essen gegriffen hat, beobachtet sie plötzlich aus der Perspektive der Kühlschranklampe wie ein verschlafener Werner die Tür öffnet, halb blind nach dem Schokopudding tastet, ihn nimmt, öffnet, und direkt vor der offenen Kühlschranktür verspeist. Ein gellender Schrei tönt durch die Wache, als die Vision verblaßt… „Werner, der Schokopudding war MIR! Was fällt Dir ein meinen Schokopudding einfach so zu futtern?! Ich habs genau gesehen, daß Du ihn vorgestern Abend gemopst hast!“
Während der Schrei noch nachhallt, hat etwas anderes Krabats Neugier geweckt – etwas, das sogar den Schokopudding vergessen läßt…

Dienstag, 20. November

In den Nachrichten wird berichtet, daß im Pazifik vor der Küste Seattles eine Insel aufgetaucht ist. Es ist noch nicht bekannt, ob die Insel vulkanischen oder magischen Ursprungs ist. Wegen gravierender Anomalien und Unwetter war es noch nicht möglich dorthin zu gelangen, auch astrale Erkundungen sind bisher gescheitert. Den Spitznamen „Atlantis Seattle“ hat sie bereits weg. Krabat und Zillah zappen sich fasziniert quer durch die Newsportale…

Krabats inoffizielles Kom klingelt am frühen Nachmittag, Loki ist am anderen Ende. Wenn wir nicht gerade schon was anderes vorhätten, könnten wir doch eine noch nicht verlorengegangene Person „wiederfinden“ und nach Seattle bringen. Wir stimmen zu…
Benötigt wird die Expertise von Prof. Jackson McKay, angestellt am Institut für Archäologie der Universität Köln, Forschungsbereich Metaebenentheorie (er selbst ist mundan) und Alcheras, hat ein Buch veröffentlicht in dem die Rückkehr von Atlantis thematisiert wird. Unter etablierten Wissenschaftlern sind seine Theorien wohl eher umstritten, seine (mangelnden) sozialen Fähigkeiten helfen ihm auch nicht gerade. Er sollte sich aktuell in seinem Büro aufhalten. In Rotterdam wartet eine Maschine Richtung Ostküste auf uns, von dort geht es mit einem Mietwagen nach Seattle, ein Direktflug ist nicht möglich. In Seattle sollen wir ihn an Dock 57c abliefern. Loki bietet 6000 pro Person, davon 1k im Voraus… Zillah befürchtet, daß die Bezahlung wohl eher ein Schmerzensgeld für das Ertragen des Professors und seines Egos ist. Krabat und Zillah trommeln umgehend Stalker und Kevin aus ihren Löchern.

Sobald unsere Sachen gepackt sind und Kevin vor der Tür steht, fahren wir los zur Uni. Auf dem Weg sondiert Stalker den Unihost, Zillah den Astralraum, aber um diese Uhrzeit ist auf dem Campus nicht mehr viel los. Im Zielbüro befindet sich eine Person, etwas übernächtigt, angestrengt und sehr konzentriert, und offensichtlich mundan.
Wenig später kommen wir auf dem Parkplatz am Hinterausgang an. Stalker stöpselt sich in ein Türschloß, um sich der Kameras anzunehmen. Die Uni ist immer noch wie ausgestorben. Wir leiten den Kamerafeed zur Sicherheit auf unsere Komms weiter, als wir zu McKays Büro marschieren. Vor der Tür angekommen, hören wir von drinnen Klaviermusik.
Krabats Klopfen bleibt unbeantwortet, also gehen wir einfach rein. Das Büro ist ziemlich vollgeräumt, in der Ecke steht eine Couch die wohl als Schlafstätte dient. Entnervt werden wir angeraunzt, daß wir nicht bei der Arbeit stören sollen. Krabat erläutert dem Professor die Lage, während wir ihm die Wiederholung des Newsfeeds vor die Nase halten. Von Zillah gibt es Argumentationshilfen per Feed für Krabat, nachdem sie einige Rezensionen von McKays Monographie gelesen hat, der dadurch ziemlich eindrücklich schildern kann, welche Chance sich vor der Küste Seattles gerade bietet, die bisher so umstrittenen Thesen zu untermauern. Große Augen starren abwechselnd auf uns und wieder auf die wackligen Videos im Newsfeed. Dann rafft der Professor innerhalb kürzester Zeit die wichtigsten Forschungsutensilien und –unterlagen zusammen, auf unseren Rat hin kramt er auch irgendwoher noch warme und wetterfeste Kleidung hervor.
Währenddessen sehen wir in unserem Kamerafeed, daß wir Besuch zu erwarten haben. Wir werden nun doch hinten raus durch die Feuertür abhauen, nachdem Stalker den Alarm blockieren konnte. Zillah entdeckt per Hellsehen zwei draußen herumlungernde, bewaffnete Pseudoninjas – wir stürmen raus, den ersten bringt Kevin direkt zu Boden. Der zweite an der Hausecke ist schwerer zu knacken, seine Predator macht ihn zwar gefährlich, aber hilft ihm im Endeffekt auch nicht. Als wir gerade die Maske von seinem Gesicht gezogen haben und nach seiner Waffe schauen wollen, werden wir von drei weiteren Typen überrascht. Dieser Kampf ist härter, Stalker geht von einer Salve getroffen zu Boden, scheint aber nicht in Lebensgefahr zu sein. Einen der Typen können wir mit Magie ablenken, die beiden anderen mit Mühe außer Gefecht setzen. Wir sehen noch, daß sie Anhänger mit einem blau-silbernen Drachen tragen, dann nehmen wir die Beine in der Hand. Krabat fährt, Kevin und Zillah flicken alle Beteiligten so gut es geht zusammen, Stalker ist angeschlagen aber ansprechbar (und kann auch schon wieder Schokoriegel verputzen). Wir finden raus, daß das Drachensymbol von den sogenannten „Rittern des Drachen“ benutzt wird, einer radikalen Splittertruppe der „Kinder des Drachen“, die wohl den Geist von Dunkelzahn anbeten.
Drei Stunden später kommen wir auf einem Sportflugplatz in Rotterdam an. Ein Elfenrigger wartet mit einer kleinen Sportmaschine auf uns, um uns über den Atlantik zu bringen. Bevor wir losfliegen gibt er uns noch einen Chip – eine Videonachricht von Loki, er weist uns darauf hin spätestens jetzt die Datenverbindungen unserer Kommlinks auszuschalten. Landen werden wir in der Umgebung von Maryland, dort wartet ein Auto, das wir mit dem Chip öffnen können; obendrein enthält der Chip die benötigten Daten, die uns eine reibungslose Einreise nach Tir Tairngire ermöglichen sollen. Zuerst sollen wir jedoch nach Boise City, ehemals Oklahoma, wo uns im „Longhorn Inn“ eine Elfe namens Quicksilver erwartet, die uns bei der Weiterreise nach Seattle behilflich sein soll. Das Auto sollen wir bitte unbeschadet bei ihr abliefern…
Nach einiger Zeit befinden wir uns im Landeanflug. Auf der Landebahn wartet schon unser Auto, ein Dodge Hurricane mit Personenkabine. Stalker ist nach dem Flug zum Glück wieder halbwegs fit, und so machen wir uns auf den Weg, ca. 2800km laut GPS… wow, mehr als fünf Mal der Länge nach durch Israel, denkt sich Zillah.
Pausen machen wir wo möglich nur an ruhigen Stellen, außer um uns mit Sprit und Verpflegung zu versorgen. Der Professor wird langsam aber sicher sehr gesprächig. Zillah hört ihm aufmerksam zu, Krabat zumindest mit einem Ohr, wenn er sich über das Fachgebiet Arkanoarchäologie ausläßt. Wir halten den Ball flach und uns ans Tempolimit, hacken keine Kameras.
Während Kevin fährt, sieht er leider zu spät eine Verkehrskontrolle, um noch unbemerkt ausweichen zu können. Wir machen den Prof vorsorglich unsichtbar und checken unsere billigen Fake-IDs und die Zulassung des Wagens, bis wir an der Reihe sind. Der Redneck hat einen wirklich üblen Akzent, den Krabat absichtlich mit einem sehr deutschen Zungenschlag in gebrochenem Englisch kontert. Eigentlich will er nur die Zulassung und unsere IDs überprüfen. Bei Zillah guckt er etwas skeptisch, murmelt was von einem Problem, doch nachdem sein Gerät einem kläglich gequäkt hat scheint sich das Problem von selbst erledigt zu haben.
Außer Sichtweite warten wir noch ein bißchen, dann hebt Zillah die Unsichtbarkeit ihres Gastes auf und diskutiert mit ihm weiter seine Forschungsarbeit. Die Landschaft wird derweil immer langweiliger, bis wir endlich im beschaulichen Boise City ankommen. Das Longhorn Inn ist kaum zu übersehen dank des eindrücklichen Originalschilds des legendären Motels.

longhorn_motel.jpg

Der Parplatz ist ziemlich voll, es scheint sich um einen grandiosen Schmugglertreff zu handeln. Zillahs Magie verwandelt den Professor in den 2010er Harrison Ford bevor wir den Saloon betreten, da fehlen nur noch Schlapphut und Peitsche. Tatsächlich versucht auch unsere Umgebung jedes Klische zu erfüllen, mit Gästen, die Chaps und offen Trommelrevolver tragen. Der Wirt begrüßt uns mit einem fröhlichen „Howdy!“ und einem Zupfer am Cowboyhut, das Publikum ist bunt gemischt und scheint hauptsächlich nicht aus der Gegend zu sein, bis auf eine Handvoll Locals. In einer Ecke sehen wir eine Elfe, die Quicksilver sein könnte, nur sind ihre Haare deutlich rötlicher als auf unserem Foto. Hm, und nun schimmern sie blau. Ok, verdammt cooler Effekt, und der Rest von ihr schaut unserem Foto ähnlich genug.
Wir bestellen uns was zu Trinken und eine ordentliche Mahlzeit. Hmm, Rippchen sind doch vom Schwein… ach, sag mir doch nicht wie mein Fisch heißt, denkt sich Zillah. Krabat beginnt derweil einen Chat mit Quicksilver, beruhigt sie daß wir keine Kratzer in ihr Auto gemacht haben, dann essen wir erst mal gemütlich. Neben ihren Glasfaserextensions scheint sie eine Riggerverbindung eingebaut zu haben, dazu Reaktionsverbesserung und diversen Kleinkram. Nach dem Essen bezahlen wir und machen uns wieder auf den Weg; vor dem Saloon prüft Quicksilver eingehend den Zustand des Autos, bevor sie sich ganz selbstverständlich auf den Fahrersitz setzt. Sie fährt mit quietschenden Reifen los, scheint die Straße aber nicht zu mögen, stattdessen fahren wir bei erster Gelegenheit ab und dann querfeldein, über eine Schmugglerroute Richtung grüne Grenze. Irgendwann macht sie das Licht aus, das Auto wird leise, und wären wir draußen würden wir sehen, daß nun auch die Tarnung eingeschaltet ist. Nach einiger Zeit schaltet sie die Lichter wieder ein, und nimmt nun einen Feldweg nach dem Anderen. Kurz vor der Grenze zum Tir verläßt sie diese jedoch absichtlich und fährt zu einem offiziellen Grenzübergang, wo wir keinerlei Probleme bei der Einreise haben – ganz im Gegenteil. Dann führt unser Weg weiter nach Astoria, wo ein Boot auf uns wartet.
Nach kurzer Fahrt kommen wir an, Loki steht schon am Kai und nimmt den Professor wirklich kackfreundlich in Empfang. Wir folgen den beiden in Richtung eines Frachtschiffs, das von einigen Söldnern bewacht wird. Loki veranlaßt unsere Bezahlung, hat aber noch ein Angebot:
Das Schiff wird in der nächsten Stunde hier ablegen. Genügend Feuerkraft wäre da, aber magische Unterstützung könnte hilfreich sein. Er stellt 2k pro Person und Tag in den Raum… wir sagen zu, vorbereitet auf alles mögliche sind wir ja eh noch.
Loki reicht uns weiter an eine Trollin, JJ Parker ist ihr Name, Anführerin der Black Heart Söldnertruppe. Sie begrüßt uns kurz und stellt uns ihre Kollegen vor: Jack, Jill, John, Jason und Schackeline… dazu Teammagier Myrden, Rocker der Rigger sowie die Schiffscrew und ein paar Expeditionshelfer.
Telestrian hat wohl auch einen Schiffskapitän bestochen, um den Sicherungskorridor um die Insel zu durchqueren, auch die durch die Insel erzeugte, ziemlich heftige magische Barriere ist zu beachten. Drei Stunden nach dem Ablegen sehen wir den heftigen Sturm und werden unter Deck wild durchgeschleudert, ein paar Blessuren inbegriffen. Unsere magisch Aktiven spüren selbst ohne astrale Wahrnehmung die starke Barriere… und direkt hinter dem Sturm ist die See spiegelglatt, die Sonne scheint, und vor uns sehen wir eine größere und eine kleinere Insel. Wir nehmen Kurs auf die größere Insel, die Expeditionshelfer bauen ein lager auf, die Black Hearts sichern die Umgebung, und der Professor springt über die Insel wie ein kleines Kind durch ein Süßwarengeschäft.
Zunächst fällt uns auf, daß die Elektrizität gestört ist. Die Architektur der zahlreichen Ruinen zeigt vage Ähnlichkeit zu verschiedensten bekannten Stilen, aber die Mischung ist echt eigentümlich. Dichte Nebelschwaden wabern zwischen den Ruinen, die auch wesentlich weniger verfallen wirken als man denken würde. Während wir rumlaufen denken wir immer wieder daß der Boden schwammig sei, aber sobald man auftritt ist alles stabil. In der Nacht sieht man, daß die Ruinen scheinbar ein orange-grünes Glimmen abgeben…
Als wir uns am nächsten Morgen aufmachen um die Ruinen zu erkunden, fühlen wir uns alle irgendwie leicht unbehaglich, Kevin und Zillah haben auch leichte Kopfschmerzen, ebenso Myrden. Die Ruinen sind, aus der Nähe betrachtet, von einem merkwürdigen Schleim bedeckt. Ebenso wirkt die ganze Architektur sehr unwirklich. Wir haben immer wieder das Gefühl im Augenwinkel zu erahnen, wie es hier einmal vor… wasauchimmer… ausgesehen haben muß. Zillah hilft dem Professor derweil bei seinen Untersuchungen und protokolliert die Ergebnisse, die er ihr durchgibt.
In der Dämmerung beginnen die Ruinen wieder zu glimmen. Um uns herum beginnen wir die Anwesenheit von Menschen zu erahnen, Stimmen zu hören und auch Fetzen von Musik. Über die Kamera ist nichts davon zu erkennen. Die Stimmung in der Gruppe ist gedrückt, auch der Professor ist nicht mehr so euphorisch wie am Vortag, sondern geht sehr konzentriert seinen Forschungen nach. Krabat und Zillah versuchen die Umgebung astral zu untersuchen, aber vor lauter Magie sieht Krabat überhaupt keine Einzelheiten mehr; Zillah kann jedoch ein paar Eindrücke zu Protokoll geben. Erledigt gehen wir alle zu Bett. Unabhängig voneinander haben wir alle das Gefühl, eine Stimme zu hören: „Geht fort!“ Krabat und Zillah schrecken auf: „Hast Du das auch gehört…?“ Dann schlafen sie aber auch wieder ein…
Krabat ist früh wieder wach, er hört immer wieder Stimmen in einer ihm fremden Sprache und seltsame Klänge. Am frühen Morgen wird auch der Rest wach. Kurz darauf kommt der Professor zu uns gestürmt: „Wir müssen sofort hier weg! Die Alchera ist instabil!“ Wir packen schleunigst zusammen und evakuieren das Camp, Krabat feuert alle an. JJ meldet Feindkontakt auf der anderen Seite der Insel. Wir greifen uns die wichtigsten Sachen, aus der Ferne hören wir dann auch schon die ersten Gewehrschüsse. Weiter hinten sehen wir, wie durch die Ruinen Menschen stürmen.
Zillah positioniert aus der Deckung heraus zwei Schockgranaten an strategischen Stellen. Kurze Zeit später kommt eine Dobermann-Drohne in unsere Richtung gefahren, aber Stalker springt in die VR und bombardiert das Ding mit Datenspikes, Kevin wirft noch eine Granate hinterher… damit ist das Gefecht eröffnet. Nach einer kurzen Salve in Richtung Krabat beginnt die Drohne aber auch schon Qualm statt Blei zu spucken, das war wohl der letzte Datenspike von Stalker.
Der Kampf wird zusehends härter, Kevin hat zwei Gegner im Nahkampf, ein dritter ist nicht weit. Zillah wirft mit ihren Granaten, eine zweite Drohne und ein Scharfschütze beschäftigen uns mehr als erwartet, Kevin wird getroffen und von unbändiger Kampfeswut ergriffen, Krabat geht brennend und blutend zu Boden…
Die Angreifer waren schon wieder von den Rittern des Drachen, verdammtes Dreckspack! Wir schaffen es mit Mühe und Not auf das Schiff zurück, die Black Hearts leider nicht mehr. Die Ruinen blitzen noch einmal in bisher ungesehener Schönheit auf und gehen unter Geschrei tosend im Meer unter. Wir werden auf die Black Hearts trinken.
Zurück in Seattle liefern wir den überaus begeisterten Professor bei Loki ab und bekommen noch 2 Tage Erholungsurlaub gesponsort, bevor wir uns zum restlichen Wundenlecken auf den Weg nach Hause machen.

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Back to London

Montag, 22. Oktober 2074

Morgens in aller Frühe kommen wir wieder in Köln an, nachdem wir in Seattle noch für eine Nacht ein Zimmer genommen haben, um uns und unsere Ausrüstung so gründlich wie möglich zu reinigen. Keiner von uns zeigt irgendwelche Krankheitssymptome, und so treten wir beruhigt den Heimflug an. Mit Kevin tauschen wir noch AR-Visitenkarten aus, während wir auf unser Gepäck warten, nicht nur um das betretene Schweigen zu überbrücken.
Krabat läßt sich direkt einen Termin in der Bettina Ford geben, nachdem Khaled tatsächlich ein „Päckchen“ für ihn organisieren konnte.

Mittwoch, 31. Oktober 2074

Krabat hat sich von seinem Eingriff weitgehend erholt, zeigt nur noch die typischen leichten Koordinationsstörungen frisch verstärkter Reflexe. An Halloween klingelt Zillahs Komm, Kaltenstein ist am andren Ende – ob wir in den nächsten zwei Tagen Zeit hätten? Klar haben wir!
Zwei Stunden später stehen wir im Stüsser, die Bekannte von Krabat zeigt auf einen leeren Tisch, an dem wir Platz nehmen. Kurz nachdem wir unsere Bestellungen erhalten haben, taucht auch schon Kaltenstein auf und setzt sich zu uns. Nachdem wir uns begrüßt haben, berichtet er von einem kurzfristigen Auftrag – unser Teil des Deals.
Ein Bekannter hat ihn gebeten, ein magisches Artefakt aufzuspüren. Es wird in London aufbewahrt, unter dem West End Underplex – dagegen ist Köln Downtown unsicher… Morgen früh gibt es allerdings eine Extraktion in diesem Bereich, durchgeführt von der Organisation eines „Freundes“, in deren Rahmen wir ein Zeitfenster (inklusive inaktiver Kameras) zum Eindringen haben und das Artefakt bergen können. Dafür bekommen wir rudimentäre Deckidentitäten (insgesamt 4) als Süßkartoffellieferanten (jawoll, echte Süßkartoffeln!) sowie eine Lieferdrohne, mit der wir dann das Artefakt abtransportieren können, und eine Kartensoft des entsprechenden Underplex-Abschnitts. Der Einstieg ist ein vergessener alter Versorgungsschacht hinter einer Wand, Sprengstoff kriegen wir vor Ort, das Artefakt lagert in einem ungenutzten alten Bunker aus den Eurokriegen. Es handelt sich um einen Stein mit Orichalkum-Einschlüssen, grob behauen in Kopfform wie man es von den Osterinseln kennt, leicht zu beschädigen, aufbewahrt in einer deutlich größeren Kiste. Kaltenstein gibt uns die Flugtickets, Hinflug morgen Abend um 21 Uhr, Rückflug undatiert, dazu die Koordinaten für einen Treffpunkt an der Themse. Sobald wir die Kiste haben, sollen wir Kaltenstein kontaktieren.

Nachdem wir mit Kevin 3k ausgemacht haben, verabreden wir uns für den nächsten Mittag im Headquarter. Zillah läuft nochmal in die Apotheke, während Krabat ein paar „Badehosen“ bei Malik bestellt… und den Transport vom Flughafen zur Themse durch Achmed.
Mittags kommt Kevin vorbei, wir richten unsere Ausrüstung, und los gehts zum Flughafen. In London angekommen blinkt uns vor dem Gate schon Achmeds Arrow entgegen, fluchend bringt er uns zum Auto.
Er setzt uns am vereinbarten Punkt an der Themse ab, ein Mann auf einem Kahn spricht uns an und nimmt uns an Bord. In der Kabine finden wir unsere Ausrüstung, Overalls, gefälschte IDs, Plastiksprengstoff und fünf Zünder (Zillahs Augen leuchten), und zwei Packeseldrohnen mit Süßkartoffeln (nun leuchten auch Stalkers Augen).
Nach einer Stunde Getucker gelangen wir zum Westend Underplex, einem Einkaufszentrum wie es kitschiger nicht sein könnte, ein Weltwunder für Lohnsklaven. Wir haben die Fake-IDs in unsere Komms geladen und passieren die erste Sicherheitskontrolle. Stalkers ID macht bei der Prüfung Probleme… da wir es eilig haben drücken die Wachmänner ein Auge zu, sie durchsuchen nicht mal die Packdrohnen. Es ist 4 Uhr morgens und fast nichts los, und während wir unserer vorgegebenen Route folgen checkt Stalker seine Fake-ID – das Foto ist viel zu orkisch.

Nach 20 Minuten kommen wir an „unserer“ Wand an, alles menschenleer hier, wir haben tatsächlich einige Minuten Zeit. Auf dem Boot konnte Zillah die Berechnungen für die Sprengung optimieren, und dadurch sowohl die Geräusche minimieren als auch die Menge des benötigten Sprengstoffs auf ein Viertel zu reduzieren – in Kombination mit einem Barrierezauber hat sie da eine wunderbare Schneidladung…
Wir bahnen uns unseren Weg durch ein wahres Labyrinth von Versorgungstunneln, zum Glück haben wir die Karte, sonst wäre das eine ziemlich anstrengende Suche. Nach einer Weile stehen wir vor einer Bunkertür, die in der Karte mit einem dicken Pfeil markiert ist. Stalker prüft die Tür, die aber offensichtlich über nicht mehr als ein ehemals funktionierendes Magschloß verfügt; Kevin zieht die Tür einfach auf. Hier endet dann auch langsam der Matrixempfang, so daß wir auch nicht mehr den Funk der Sicherheitsleute verfolgen können.
Ein Tunnel führt weiter in einen kreisförmigen Raum, vom dem 6 weitere Tunnel wegführen, alle mit Schleusentüren versehen. Zum Glück hilft uns unser Plan auch hier und führt uns zu einer verschlossenen Tür – deren Magschloß noch funktioniert. Krabat benötigt eine Stunde um das Ding zu knacken. Im Schleusendurchgang finden wir verbrannte Bioschutzanzüge, offensichtlich ist hier irgendwas faul. Wir ziehen unsere Gasmasken auf bevor Krabat sich an die zweite Schleusentür macht…
Hinter der Tür befindet sich ein langgestreckter Raum. Wir finden Überreste von Menschen in intakten Bioschutzanzügen, und eine Kiste die ausschaut wie die die wir suchen. Zillah untersucht sie mithilfe eines Hellsichtszaubers, dessen Verhalten sie beobachtet während sie ihn in die Kiste lenkt. Irgendwas darin scheint den Zauber stark abzuschwächen – Hintergrundstrahlung?
Wir packen die Kiste auf eine der Drohnen und machen uns auf den Rückweg. Sobald er den Funk wieder verfolgen kann, lotst Kevin uns um die meisten Wachen herum. Zillah sucht astral nach dem Boot, mit dem wir gekommen sind, um dem Fahrer zu sagen daß wir auf dem Weg sind – und erschreckt diesen so sehr, daß er einen Wachmann zu wütenden Nachfragen provoziert. Völlig verängstigt stammelt er etwas von einem schlechten Traum, zum Glück überzeugend genug um die Wache abzuwimmeln. Unser Rigger zischt Zillah zu, daß er hier abhaut sobald es knallt, wir sollen uns beeilen wenn wir mitwollen. Tun wir ja schon. Am Hafen jedoch halten uns zwei (!) Rote Samurai (!!!) auf… Wir kriegen sie immerhin dazu überredet, uns auf unser Schiff zu lassen, um unseren Chef anzurufen, eine Bestätigung über die Kontrolle um etwaige Lieferverzögerungen zu rechtfertigen erhalten wir jedoch nicht. Während Krabat Kaltenstein anruft, tüftelt der Rest an einem Plan: der Rigger will abhauen wenn es knallt? Bitteschön, wir sorgen für den Knall. Zillah levitiert die restliche Sprengladung unsichtbar zu einem einsamen Fleck auf dem Dach, und zündet – und der Rigger gibt Gas. Er setzt uns an einem Punkt am Ufer ab, wo wir uns von Achmed wieder einsammeln und zu einem sicheren Ort fahren lassen, einem verlassenen Haus. Von dort melden wir uns wieder bei Kaltenstein, per Videofeed zeigen wir ihm die Kiste, öffnen sie… und entdecken darin neben dem Artefakt vier Behälter mit Biohazard-Zeichen. Oh-oh! Die Kanister enthalten laut Kennzeichnung FAB. Kaltenstein gerät nun doch etwas aus der Fassung. Wir lassen uns allerdings nicht unterkriegen, denn Kevin weiß daß sich alle Bakterien sterilisieren lassen – zum Beispiel mit genug Hitze. Zillah erhitzt die Kanister also einzeln in der Luft (kreative Anwendung eines Entzünden-Zaubers), Stalker hält als Beweis für Kaltenstein zwischendurch seine Brille mit IR-Sicht vor die Linse, der dann als alles im grünen Bereich ist ein Abholkommando schickt. Wegen der Unannehmlichkeiten gibts doch noch eine kleine Aufwandsentschädigung, zuhause werden 4k pro Person auf uns warten. Die Info über den Bunker und seine biologischen Altlasten verticken wir dann noch an Art Johnson, und machen uns dann auf den Heimweg…

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Von allen guten Geistern verlassen...
...und von schlechten besessen

Die letzten drei Wochen sind wie im Flug vergangen – Zillah brütete im stillen Kämmerlein über neu erworbenen Zauberformeln, Krabat hat sich in der Bettina-Ford-Klinik noch ein wenig pimpen lassen, und Stalker hütete die Feuerwache während er ein wenig auf seinem Spielzeug herumlötete (und sich freute, daß er dabei nichts kaputtmachte). Das Ende des Rippers bleibt sogar mehrere Tage das Top-Thema in den Medien, allerdings schwanken die Hintergrundgeschichten je nach Berichterstatter enorm. Jaworski wird aufgrund seines heldenhaften Einsatzes zur Festsetzung des Rippers befördert, was er auch direkt mit seinem Kumpel Krabat begießen muß.

Samstag, 20. Oktober 2074

Eines Nachts klingelt dann mal wieder Krabats Komm, am anderen Ende ist Darius. Natürlich läßt Krabat sich nicht lange bitten, als er erzählt, daß er gerade jetzt das heißeste Runnerteam braucht. In Seattle. Abflug in 2 Stunden…
Dementsprechend unsanft reißt Krabat dann auch den Rest der Crew aus den Träumen (weiterschlafen kann man schließlich im Flieger), und nach hastigem Packen geht es direkt los zum Flughafen, wo Darius Flugtickets für uns hinterlegt hat. Währenddessen ruft Darius auch bei Kevin an, er suche noch Muskeln für ein Team, das einen Job in Seattle erledigen soll.

Im Flugzeug treffen wir dann auch, wie von Darius in einer Kurznachricht angekündigt, auf eine weitere Person in unserer Reihe (Zillah: schaut irgendwie aus wie Krabat, nur weniger südländisch und sehr viel sportlicher), der sich etwas wortkarg als Kevin Schwaller vorstellt. Krabat reagiert jovial wie immer, muß Zillah und Stalker, die noch wortkarger sind als Kevin, dann aber regelrecht zu einer Vorstellung drängen; während die anderen dann den Flug mehr oder weniger verschlafen, zappt Krabat sich durch die News- und Dokuangebote des Fliegers. Recht bald landen wir dann, und kommen auch ohne Probleme durch den Zoll. Zillah friert schrecklich, aber leider schafft sie es nicht mehr, vor dem angesetzten Treffen noch eine dicke Jacke zu kaufen, während das Seattler Wetter eben ist wie es ist, so im Herbst.
Wir nehmen ein Taxi zum Kingston Edmons Fähranleger, unsere Kontakt-Koordinaten führen uns dort zu einem Parkhaus. Als die Gegend zunehmend verwahrloster wird, ziehen wir uns um – Zillah scheint es jedoch eher um die zusätzliche Kleidungsschicht zu gehen. Der Taxifahrer dreht direkt wieder um, nachdem er uns abgesetzt hat, und beeilt sich außer Sichtweite zu kommen. Als wir uns umsehen, werden wir von ein paar vercyberten Gangern aufgehalten, die „Wegezoll“ kassieren möchten. Krabat handelt sie etwas runter, Kevin offensichtlich noch mehr – Zillah guckt etwas entsetzt zu Stalker -, dann wirft man uns zum Abschied noch einen ARO mit einer Nummer zu, falls es etwas zu tun gibt.
Im Parkhaus müssen wir natürlich auf die oberste Ebene, natürlich gibt es keinen funktionierenden Aufzug, und natürlich ist das Parkdeck offen. Bei dem Wetter.
Unter einem Vordach sehen wir eine in einen Trenchcoat gewickelte Figur stehen, ein Elf mit feuerroten Haaren und teuren Klamotten, wie wir feststellen als wir näherkommen. „Loki“, stellt er sich vor und drückt jedem die Hand, „Darius hat Sie mir empfohlen. Im hiesigen Salish-Territorium gibt es in einer kleinen Stadt eine Quarantänezone, in die mein Arbeitgeber kürzlich eine Ladung Impfstoff geliefert hat… diese ist verschwunden. In dieser Menge ist der Impfstoff in der verbleibenden Zeit nicht nachproduzierbar, also muß die Charge wiederbeschafft werden, um keine Leben zu riskieren.“
Loki bietet uns 3000 Euro, plus weitere 3000 pro Person, davon 1250 im Voraus. Nachdem wir akzeptiert haben, setzt er an uns zu sagen daß es sich um das Hanta-Virus handelt, als Kevin ihm ins Wort fällt und sein medizinisches Wissen demonstriert, das ihn zu genau diesem Schluß geführt hat. Wir erhalten selbstverständlich Atemschutzmasken. Der gesuchte Impstoff nennt sich Ribavarin, und es dauert ca. zwei Wochen wieder eine derartige Menge herzustellen. Es gab bereits zahlreiche Todesfälle, im weiteren Verlauf wäre mit einer dreistelligen Zahl zu rechnen. Der Impfstoff sollte an eine kleine Klinik gehen, wurde jedoch keine drei Stunden nach Eintreffen der Lieferung bereits gestohlen.
Wir reisen mit der Fähre in eine kleine Stadt namens Neah Bay, wieder macht uns der Zoll keine Probleme. Danach folgen wir Loki weiter auf ein Motorboot, gemeinsam mit ein paar leicht gepanzerten Tauchern, überqueren den Sound of Puget, und gehen dort von Bord, weiter zu einem wartenden Fahrzeug. Während der Fahrt, die ein paar Stunden dauert, studieren wir Infomaterial zum Virus. Fliegen wäre schneller gegangen, aber wie Loki uns erklärt, wurde im Zuge der Quarantäne und des Diebstahls der örtliche Flughafen gesperrt. Wir genießen auf jeden Fall die erstaunlich belebte Natur und die frische Luft.

Als wir vor dem Quarantänezentrum ankommen, bemerken die Erwachten unter uns, daß die gesamte Stimmung in der Umgebung stark gedrückt ist. Zillah und Kevin bemerken die starke Hintergrundstrahlung deutlich (ausgelöst durch Angst und Schmerz, wie Zillah im Astralraum erkennt), und auch die Matrix ist durch starkes Rauschen beeinträchtigt. Die Gebäude wirken wie ausgestorben. Das Krankenhaus im Zentrum der Stadt sieht für uns wie eine bessere Arztpraxis aus, der Betrieb am Eingang ist dafür aber umso stärker, die Patienten stapeln sich förmlich.
Als wir die Klinik betreten fällt Zillah auf, daß viele der Patienten anscheinend Technomancer sind, was das unnatürliche Rauschen in der Matrix erklären könnte. In der Klinik stechen uns sofort die Telestrian-Logos in allen Ecken ins Auge, und nachdem wir ein paar Sicherheitsausweise mit diesem schicken Logo bekommen haben, machen wir uns mit Loki auf den Weg ins Nachbargebäude, wo der Impfstoff gelagert war. Hinter einem offenen – und unbeschädigten – Rolltor sehen wir auch schon zerstörte Sicherheitsglasscheiben. Loki zeigt uns an einem Terminal den Gebäudeplan der Klinik. Auf dem Weg zum Medikamentenlager ist nichts zerstört, doch als wir dort ankommen ist die große Stahltür ziemlich gewaltsam geöffnet worden – mit bloßen Fäusten, nicht mit Sprengstoff. Die gefundenen Hautpartikel lassen sich mit unserer Forensikkiste einem männlichen Menschen kaukasischer Abstammung zuordnen, außerdem finden wir die DNA zweier weiterer Menschen, eines männlichen Kaukasiers und einer nativ-amerikanischen Frau.

Kelly Digari (die Klinikleiterin, eine Makah) berichtet, daß der Einbruch während der Arbeitszeit stattfand, aber trotzdem niemand etwas hörte. Der Impfstoff wurde morgens geliefert, drei Stunden später wurde der Einbruch bemerkt. Es gibt hier kaum Sicherheitspersonal, nur ein paar städtische Polizisten. Bei der Anlieferung waren die Leiterin selbst, der Chefarzt Dr. Auslander, und einige Mitarbeiter von Telestrian anwesend. Dr. Auslander blockt unsere Fragen äußerst unhöflich ab, darum hängt sich Kevin an seine Fersen und beobachtet ihn (ohne was rauszufinden).
Anfang des Jahres gab es wohl bereits einige wenige Todesfälle, die man jedoch für Lungenentzündungen hielt, wie wir erfahren; danach blieb es ruhig, bis zu dem Ausbruch jetzt.
Man erzählt uns außerdem von anderen Auswärtigen, Archäologen, die im Cape Motel abgestiegen sind, und beschreibt uns den Weg dorthin. Kevin stößt wieder zu uns, und nach 10 Minuten auch Loki, dem wir Bescheid gegeben haben. Er weiß schon von den Archäologen, obwohl sie anscheinend nicht offiziell eingereist sind.

Das Motel ist eine abrißwürdige Bruchbude, ein Wagen steht vor der Tür. Kevin beobachtet die Lage, und Loki überredet den gelangweilten Rezeptionisten, ihm die Schlüssel zu den drei Zimmern der vier Personen zu geben. Seit ca. einem Tag – seit der Impfstoff verschwunden ist – sind die vier nicht mehr gesehen worden.
Das mittlere Zimmer ist vollgepackt mit Rucksäcken, archäologischem Grabungswerkzeug, Karten, meteorologischen Daten der letzten zwei Wochen, historischen Texten, und einem Tagebuch: wir lesen von einer Insel, dem möglichen Fund einer 10000 Jahre alten Scheibe… offensichtlich wurden sie von einem (ungenannten) Konzern beauftragt. Weitere Einträge berichten vom allmählichen Ausbrechen der Epidemie. Eine Technomancerin namens Squirrel hatte Kopfweh, einem Castro wurde schlecht, er ist aber wohl wieder auf den Beinen. Ein Jay und ein CC sind auf Whada Island, CC lief wohl in ein riesiges Rattennest und wurde gebissen, und es wurden menschliche Gestalten hinter Bäumen gesehen…
Während wir auf ein Fahrzeug von Loki warten, machen wir uns kampfbereit (Zillah bereitet zwei Molotov-Cocktails vor), inklusive kleinem Zwischensnack.Zillah wagt einen educated guess: an der Quelle der Geschehnisse, auf einer verwunschenen Insel, wird die Hintergrundstrahlung tendenziell eher höher als niedriger sein, dementsprechend sollten wir mit Kampfbedingungen ohne viel Magieeinsatz rechnen. Stalker und Krabat untersuchen die biologischen Spuren aus den Zimmern auf Übereinstimmung mit den Spuren vom Tatort, und erzielen Treffer bei den beiden Männern, darunter der Megastarke – was laut Loki keinen Sinn ergibt, da erstens das Team äußerst zuverlässig gewesen sei, und zweitens über keinen Herkules verfügt habe… Krabat und Zillah diskutieren kurz, dann fällt Zillah ein, daß ihr Vater früher einmal erwähnte, daß von Geistern besessene Menschen über übermenschliche Kraft verfügen können. Hurra…

Lokis CityMaster hat zum Glück auch Ausrüstung geladen, auf die wir zugreifen dürfen – Langwaffen, aber immerhin auch drei Granaten. Wir fahren los, am Hafen vorbei, zu einem Damm, der zu besagter Insel führt. Die Straße endet nach wenigen Metern vor einem Gitter, doch das Vorhängeschloß hält uns nur kurz auf, dann geht es weiter. Der Nebel um die Insel ist dicht, und verbreitet eine Stimmung geprägt von Tod und Verzweiflung. Kevin, Krabat und Zillah fühlen sich zunehmend ausgelaugt. Die laute Brandung könnte beinahe ein dunkles Brummen überdecken, doch wir hören es trotzdem, klingt wie ein alter Schiffsmotor, und es wird langsam lauter als wir uns unseren Weg suchen. Wir finden die Quelle des Geräuschs auf einer Lichtung im Inneren der bewaldeten Insel, Menschen laufen dort herum, und Krabat erkennt mit seinen scharfen Augen, daß das Brummen von drei laufenden Schneekanonen kommt. Die schemenhaften Figuren füllen von einem Haufen (dem Geruch nach Nagerfäkalien… zum Glück haben wir unsere Atemmasken) Material in die Kanonen. Perfide…
Nicht weit entfernt davon sehen wir auch die gesuchten Kisten mit dem Telestrian-Logo. Der folgende Kampf erweist sich als schwierig, Stalker geht gelähmt zu Boden und rettet sich in die VR, und als Loki sich um die Kisten kümmern will geht er mit einem Knall zu Boden – der mies grinsende Dr. Auslander hinter ihm (ahnten wir es doch…) scheint der Obermufti zu sein. Mit Ach und Krach, etwas Blut und jeder Menge Spucke liegt er schließlich bewußtlos vor uns, fängt sich den obligatorischen Tritt ins Skrotum (und einen extra in die Fresse), und wird ebenso wie seine Kumpane fachgerecht verschnürt.
Zillah erkennt mit geschultem Blick, daß alle Gegner von grauenvollen Geistwesen besessen sind, die sie noch nie gesehen hat, ihre Auren sind tiefschwarz und voller Tod und Verderben. Loki läßt mit einem kurzen Telefonat Spezialisten einfliegen, die sich direkt an die Verbannung machen. Auf Zillahs Frage nach der Art der Geister teilt Loki ihr mit, daß es sich wohl um Shedim handelte – okay, das meinte Adam wohl damit, daß die Aura eines Shedim unverkennbar sei. Zurück in der Klinik wird der Impfstoff schleunigst ausgegeben, wir können uns dort in einem abgelegenen Raum etwas ausruhen.

Als wir aufwachen, ist Loki bereits weg und unser Geschäftskonto prall gefüllt, er hat wohl eine Gefahrenzulage draufgepackt. Auf dem Rückweg zum Flughafen gönnen wir uns darum noch eine lokale Spezialität, frischen Fisch, das haben wir uns nach dem Tag wirklich verdient…

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Das Ende des Rippers

Samstag 22. September 2074

Wir landen nach einem turbulenten Flug. Nachdem wir unser Gepäck abgeholt haben, ruft Zillah wie versprochen bei Blumenthal an. Da die Kriminaltechnik ihre Tatortuntersuchung bereits abgeschlossen hat, empfiehlt er, daß wir ins Präsidium kommen und uns dort die Tatortvisualisierung anschauen und der Rechtsmedizin einen Besuch abstatten. Da wir ja gemeinsam mit Elrik ankommen fragen wir ihn, ob er uns eventuell begleiten möchte. Er willigt ein.

Kurze nachdem wir uns an der Pforte angemeldet haben holt uns Blumenthal auch schon ab und führt uns in den AR-Bereich, um uns die Tatortvisualisierung zu zeigen. Freundlicherweise läßt er, da die Leiche erst nach vier Tagen gefunden wurde, die Geruchsspur weg. Wir erkennen eine Slum-Wohnung, im Inneren liegt eine verweste Frauenleiche auf dem Bett, der mit einem Spreizer der Thorax aufgehebelt wurde – die Lunge wurde fein säuberlich entfernt. Sonst sind keine Spuren zu sehen. Der Tatort befindet sich in Düsseldorf-Garath, einem Gangsprawl im Süden der Stadt. Die Tote war wohl das Liebchen des lokalen Gangleaders, den die Sache tatsächlich so geschockt hat, daß er die Polizei verständigte… sonst hätte man diesen Tatort sicher niemals entdeckt.
Da uns die Visualisierung nicht weiterbringt, gehen wir weiter in den Leichenkeller. Dort hat gerade Krabats Kumpel Andri Köhler Dienst, und die beiden scherzen kurz rum und machen eine Sauftour fürs nächste Wochenende aus. Köhler informiert uns darüber, daß die Extraktionstechnik sehr sauber aber etwas veraltet sei, seit 10 Jahren würde sie so nicht mehr gelehrt. Auch der Spreizer war noch ein rein analoges Modell, daher nicht nachverfolgbar. Es war wohl tatsächlich medizinisch nicht möglich die Lunge bei lebendigem Leib zu extrahieren, weswegen die Todesursache eindeutig Ersticken mangels Bronchien sei.
Zillah wirft die astralen Guckerchen an, nachdem sie um einen Schemel gebeten hat, um auch nah genug ranzukommen. Sie bemerkt ein überwältigendes Ausmaß an Schmerz und Verzweiflung, offensichtlich war das Opfer während des Eingriffs tatsächlich noch bei Bewußtsein – das dafür nötige Geschick läßt uns nur noch staunen.
Offensichtlich lagen einige Zauber auf dem Körper der Frau, unter anderem ein stark modifiziertes Stabilisieren. Das könnte auch der Grund dafür sein, daß die Lunge bei Thoraxöffnung nicht direkt kollabiert ist. Die astrale Signatur ist bekannt, zusammen mit der freudig erregten Emotionslage ist der Täter eindeutig unser Ripper.
Nach Zillahs Hinweis auf den modifizierten Zauber findet auch Blumenthal die Struktur. Zillah schlägt ihm vor, hier doch vielleicht einen Experten für Zauberkunde vom Hermetischen Institut zu Rate zu ziehen.

Dann beschließen wir, uns trotzdem noch den Tatort im Original vorzunehmen. Zum Glück haben wir Elric dabei, dessen Unterstützung auf dem Ganggebiet sicherlich hilfreich sein wird. Auf dem Weg nach Düsseldorf holt Elric noch etwas Spielzeug aus seiner Wohnung, und wenig später kommen wir dann auch in einer ziemlich versifften Gegend an. Nicht weit weg lungern ein paar Typen von den Rasputins rum, die uns argwöhnisch ankeifen als wir uns nähern. Dank Krabats Überzeugungskraft verzichten sie jedoch darauf, uns bei unseren Ermittlungen zu stören, stattdessen bekommen wir sogar einige Hintergrundinfos von ihnen. Das Hochhaus in dem sich der Tatort befindet war definitiv nicht der Wohnort des Opfers, das sich eine schickere Bude mit ihrem Gangmacker geleistet hat.
Nachdem wir uns mit dem maroden Fahrstuhl in den 17. Stock getraut haben, bekommen wir auch schnell das Schloß der Wohnung geknackt. Sobald wir drin sind, ziehen wir uns erst mal Taschentücher über den Mund, um die Fliegenplage daran zu hindern uns ebendort hinein zu fliegen. Wir sehen uns um, erkennen aber nicht viel Neues. Uns fällt lediglich auf, daß auf dem Bett keinerlei Blutspuren zu finden sind, obwohl sich dort die Leiche befand. Zillah und Krabat sehen sich den Tatort astral an, neben dem Wiederhall des Schmerzes und Entsetzens des Opfers ist diesmal die Signatur des Rippers deutlich und eindeutig zu erkennen, außerdem eine weitere mächtige Entität im Bereich der Tür. Vor lauter Ratlosigkeit ruft Zillah nach Adam, der nach einiger Zeit auftaucht und sie bei der Begutachtung unterstützt. Er erklärt ihr, daß die Wesenheit an der Tür vermutlich ein mächtiger Blutgeist ist, definitiv korrumpiert, nicht toxisch, schattig, insektoid oder Shedim. Aber einen Blutgeist hat auch Adam noch nie selbst gesehen, daher ist er sich nicht hundertprozentig sicher. Zumindest würde es dazu passen, daß er die Organe bei Bewußtsein extrahiert.
Adam erkennt, daß die Zauber des Rippers wohl den Metabolismus verlangsamt haben, gleichzeitig das Bewußtsein aufrecht erhielten und auch den Kollaps der Lunge verhinderten. Der Geist hat wohl währenddessen die Tür verschleiert. Wir können anhand der astralen Spuren sonst nur nachvollziehen, daß der Ripper wohl einfach den Aufzug genutzt hat, auch zum Verlassen des Tatortes. Stalker versucht derweil Algorithmen zur Mustererkennung über diverse Dinge – wie Tatortmuster, Meldungen zu vermißten jungen Frauen und dergleichen – über die Newsfeeds der letzten Monate laufen zu lassen.
Krabat wird beim Rausgehen nochmal von dem Gangtypen angesprochen, der bestätigt, daß das Opfer in dem Hochhaus wirklich keinerlei Bekannte hatte. Er gibt Krabat noch seine Nummer mit dem Hinweis, daß er sich melden soll sobald wir das Schwein aufgestöbert haben…

Sonntag 23. September 2074

Am nächsten Morgen spucken Stalkers Suchalgorithmen tatsächlich ein halbes Dutzend Meldungen von vermißten Frauen in den letzten zwei Monaten aus, zwei in Chorweiler, der Rest in Leverkusen und Süd-Düsseldorf. Krabat und Zillah klingeln per Video noch bei Blumenthal an, um ihm unsere Erkenntnisse der Tatortbegehung und Adams Rückschlüsse mitzuteilen – natürlich ohne auf diese „vertrauenswürdige Quelle“ näher einzugehen.

Abends um halb 10 ruft Malina bei Krabat an… sie stammelt „dieser Typ ist da“… sie ist wohl mal wieder in der Kinderdisco bei den Fühlinger Seen. Zillah bittet Adam darum, Malina im Auge zu behalten, bis wir dort sind. Dann rufen wir Elric an, um ihn davon zu überzeugen uns ein Päckchen zu schnüren, „lebendig ist optional“. Wir vereinbaren uns an den Seen zu treffen und düsen los. Stalker ortet ihr Kommlink außerhalb des Clubs… in heller Aufregung rast Elric zu ihr, Adam ist dabei, und auch Zillah macht sich astral auf den Weg. Doch bei Malina ist alles in Ordnung, sie hat den Ripper bschattet (das liegt wohl echt in der Familie) und gesehen wie er ein potentielles Opfer aus dem Club geführt und zu einem Auto gebracht hat. Sie hat sogar ein Foto gemacht, inklusive Nummernschild (Krabat ist vor lauter Sorge ziemlich sauer, aber irgendwie auch ziemlich stolz…). Wir informieren alle unsere Polizeikontakte und machen uns an die Verfolgung. Zum Glück können wir der Spur eines aufrechterhaltenen Zaubers folgen. Über die Autobahn geht es in eine Wohngegend von Düsseldorf, bis vor ein nettes Einfamilienhaus. Wir schicken Blumenthal die Adresse, dann stoßen Adam und Zillah auf einen Hüter als sie kundschaften wollen. Da Adam sowieso nicht durch den Hüter kommt, lassen wir ihn bei Malina zurück, die mit ihm zusammen im Auto wohl sicherer als irgendwo in der Fühlinger Pampa ist. Und im Notfall können wir auch schneller intervenieren. Dann machen wir uns an der Tür und am Kamerafeed zu schaffen… offensichtlich kam der Ripper vor etwa 15 Minuten an. Kurz darauf ist die Tür auch schon offen, und wir gehen rein. Drinnen hören wir Schreie, vermutlich aus dem Treppenhaus. Die Schreie werden plötzlich merklich leiser, aber trotzdem können wir noch den Keller als Ursprung ausmachen. Am Fuß der Treppe befindet sich eine Tür, die sich widerstandslos öffnen läßt, dahinter befindet sich ein offener, ziemlich düster wirkender Raum. Die Wände sind bedeckt mit Zeichnungen, außerdem lassen sich einige Reagenzien ausmachen – es handelt sich wohl um ein gut sortiertes Refugium. Wir lunsen mit der Mage-Sight-Brille um die Ecke, sehen einen Metalltisch… die Frau darauf ist wohl schon Geschichte, und der Ripper springt gerade um eine mit lauter frischen Organen bestückte verweste Leiche herum. Er bemerkt uns fast sofort, hat wohl mit sowas gerechnet, und fängt einen Superschurkenmonolog an: „Ich wußte, daß ihr mich noch finden werdet. Aber ihr seid zu spääät!“ Wir sehen daß nicht nur er uns anschaut, sondern auch seine Patchworkleiche…
Das Ding rennt dann auch direkt auf uns zu und atmet eine Wolke giftigen Mundgeruch in unsere Richtung. Zillah und Elric, die beide in erster Reihe stehen, weichen in unterschiedliche Richtungen aus, und während Elric sich auf die alte Weisheit „geek the mage first“ besinnt und ebendiesen mit zwei Salven niederstreckt, schafft Zillah es eine Flasche Reinigungsbenzin und eine brennende Kerze auf die Patchworkleiche zu schleudern, die daraufhin jämmerlich zu kreischen beginnt. Danach ballern wir alle so lange drauf, bis es sich nicht mehr rührt, was dank Feuer sogar recht schnell geht.
Wie wir dann feststellen, lebt der Magier noch, und mit ein paar Pflastern hält er sogar noch durch bis das SEK auftaucht. Das Leichendings war wohl tatsächlich sein Geisterkumpel, sagt Zillah, die den Astralraum auf Spuren absucht, er hatte wohl einen Pakt damit – definitiv ein Freier Blutgeist, wie spätere Nachforschungen ergeben. Die Polizei erfährt anhand der Unterlagen im Haus, daß es wohl wirklich Joe Black war, der sein Verschwinden inszeniert hatte. Wir bitten während der standardmäßigen Einsatzuntersuchung darum, daß wir bei der Ergreifung nicht weiter erwähnt werden…

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Wer ist er - und wenn ja wie viele?

Nachdem sich die Lage beruhigt hat, überlegen wir, wie wir die Ware loswerden. Die Karre ist zu heiß, um sie mit zu Malik zu nehmen, und den Kleinkram bekommen wir auch nicht in der Tube transportiert… Also rufen wir Malik an, um ihm von seinem Glück zu berichten. Er schickt uns einen seiner Cousins zum Abholen, während wir die Regierungskarre, die Malik definitiv nicht haben will, durch eine unglückselige Vereinigung von Benzin und Zigarettenanzünder entsorgen. In sicherer Entfernung warten wir dann auf unser Taxi, das sich nach einiger Zeit als ein anscheinend nur noch von Rost zusammengehaltener, schwarz qualmender Pickup entpuppt. Darin sitzt ein – selbst für einen Zwerg sehr „kompakter“ – schwarzhaariger Zwerg, dem ein vielsagendes Kabel aus der Schläfe ragt („Schnallt euch an, wird schnell.“).
Bei Malik angekommen sehen wir direkt das Leuchten in seinen Augen, als er unser Päckchen begutachtet… 10k kriegen wir am Ende dafür.
Nach einiger Zeit sind wir dann doch ins Hotelzimmer gekrochen, um eine Mütze Schlaf und ein ausgiebiges Frühstück zu genießen. Danach igelt sich Stalker, nachdem er eine Hardwarekiste besorgt hat, in seinem Zimmer ein und widmet sich ausführlich unserer eroberten Elektronik, während wir ihm regelmäßig was zu Futtern vorbeibringen…

Freitag, 21. September 2074

Stalker hat es geschafft: das Deck und die vier Kommlinks sind umgebrandet. Wir haben uns gerade unser zweites Frühstück einverleibt, Stalker guckt noch etwas fertig aus der Wäsche, wirkt aber auch erleichtert als er uns grinsend jeweils eines dieser nachtschwarz glänzenden Komms überreicht.
Als wir gerade den Rückflug für den nächsten Tag gebucht haben, bekommt jeder von uns eine Nachricht aufs Komm: „Noch in der Stadt? Art“
Zum Glück können wir den Flug kostenlos umbuchen, denn kurz nach unserer Bestätigung erhält jeder von uns ein VIP-Ticket für Arsenal gegen Real Madrid am heutigen Abend im Wembley-Stadion… (Krabat: „Woah, geil!“)

Auf jeden Fall wechseln wir zuerst noch das Hotel. Ähnliche Preisklasse, dafür mehr Richtung Zentrum. Sobald alles eingerichtet ist, machen wir uns auf den Weg zum Stadion. London ist wie ausgestorben, so wenig Leute wie heute haben wir hier noch nie auf den Straßen gesehen… das ändert sich jedoch schlagartig, als wir in die Nähe des Stadions kommen. Am Eingang mustern uns die zwei Sicherheitsgorillas mit herablassendem Blick, was sich beim Anblick unserer VIP-Tickets aber sofort zu stiefelleckend-freundlich ändert, wir werden sogar an der Schickeria vorbei in eine der Logen geleitet. Zum Glück haben wir vorsorglich die schicken Klamotten angezogen. Sobald wir im Separee ankommen, sehen wir Art voller Interesse vor der Panoramascheibe stehen. Er hat mal wieder einen zeitkritischen Auftrag und entschuldigt sich deswegen für den nicht ausufernden Komfort der Loge. Die Unterhaltung wird immer mit einem Blick auf das Spielfeld geführt, vor allem Krabat mußte diesen Ausblick erst einmal genießen.
Art hat heute eine bisher ausgebliebene Lieferung erwartet. Der Kurier, eigentlich ein erfahrener Profi, ist spurlos verschwunden und auch nicht erreichbar. Er bietet uns 10k dafür, den Kurier lebend und unbeschädigt wiederzufinden, wir erhandeln uns zusätzlich 1k im Voraus… Vor einigen Wochen wurde ein Team in Nordamerika damit beauftragt, einen Gegenstand zu beschaffen. Dieses Team übergab den Gegenstand vor ca. 20 Stunden dem Kurier, der mit seiner Eskorte vor 5 Stunden in Heathrow gelandet ist. Direkt außerhalb des Flughafens gerieten sie allerdings in einen Hinterhalt, die gesamte Eskorte und alle Angreifer sind tot, der Kurier hat wohl überlebt und ist untergetaucht. Bisher war er immer sehr zuverlässig.
Auf einem Datenchip erhalten wir ein Dossier und Informationen über vorhandene Safehouses und Lieblingslokalitäten des Kuriers. Aufgrund der Brisanz der Lieferung kann mit unvorhergesehenem Eingreifen von Dritten gerechnet werden. Auch muß der Job in 12 Stunden erledigt sein, da sonst der Gegenstand wertlos ist.

Dossier:
John Jones, alias Johnny, Jack oder Triple J
Männlich, 1,80m, 31 Jahre, Gewicht schwankend,
John Jones, alias Johnny, Jack oder Triple J
Mensch, männlich, 1,80m, 31 Jahre, Gewicht schwankend, vercybert.
Geboren in London, früher bei S-K, ab 2065 als freiberuflicher Kurier tätig, in kriminellen Kreisen dank von S-K gesponsorter Headware als Datenkurier bekannt.
Art selbst hat Johnny damals von S-K extrahiert.
Süchtig nach SIM-Serien… Art vermutet, daß die spezielle S-K-Headware SIMs anders abspielt und diese dadurch suchterzeugend wirken.
Safehouse/Lieblingslokalitäten:
Baker Street 225b
Zoe’s im Underplex
Das Andy’s
Rose and Thistle

Da keine Angabe über den Ort des Hinterhalts enthalten ist, geht Stalker mal auf die Suche. Es gibt keinerlei öffentlich verfügbare Informationen… daher fahren wir erst mal ins Hotel zurück, die Ausrüstung holen, und suchen dann in den weniger offiziellen Quellen. In Verschwörungsforen finden sich versprengte Infos über eine Schießerei mit einem Dutzend Toten in der Nähe von Heathrow. Nach kurzer Überlegung beschließen wir, daß es keinen Sinn macht am Tatort nach Spuren zu suchen. Eine astrale Erkundung lohnt sich nur im Falle seines Appartments, da die Kneipen aufgrund des Fußballspiels gerade zu voll sind.
Das Appartment befindet sich in einem Vier-Parteien-Haus, zwei Wohnungen sind komplett leer, die anderen beiden sind bewohnt aber momentan leer. Nachdem unser alter Mietwagen als „gestohlen“ gemeldet werden mußte, fahren wir mit einem Mietwagen der Konkurrenz in die Baker Street.

Stalkers Datensuche bestätigt inzwischen wesentliche Teile des Dossiers, außerdem finden sich zahlreiche Spuren von Johnny auf diversen SIM-Download-Portalen.

Als wir ankommen, stehen wir vor einem grauen Plattenhaus inmitten einer mittelprächtigen Wohngegend. Das Dach bietet einen grandiosen Aufstellpunkt für einen Scharfschützen, zum Glück ist da aber keiner. Hinter dem Haus befinden sich leere Anwohnerparkplätze neben einer aufgebrochenen Hintertür… gut so, dann brauchen wir das nicht tun. Wir vermuten, daß auch die Wohnung an einer aufgebrochenen Tür erkennbar sein wird, was sich im oberen Stockwerk dann auch bestätigt. Das Innere der Wohnung ist gnadenlos verwüstet. Jemand hat wirklich jedes Behältnis in dem einen großen Raum auf links gedreht. Man kann nicht wirklich erkennen, ob die Bude durchsucht oder einfach nur verwüstet wurde… Astral nehmen Zillah und Krabat nur die Aura eines Lebewesens wahr, die nicht eindeutig faßbar ist. Wir bannen das Chaos schnell auf Videospur und machen uns wieder auf den Weg.

Zoe’s Bar und Cafe ist eine mittelständische Bar, in der häufig Konzernangestellte verkehren, gelegen im „Keller“ von Londons Innenstadt. Links davon ist ein Laden für Retroklamotten, rechts ein leeres Geschäft. In der Realität ist die Bar recht unscheinbar, ganz im Gegensatz zur AR. Als wie ankommen finden wir eine Menschentraube vor dem Etablissement, die wohl gerade einen Unfall begaffen. Etwas später sehen wir Bobbies, die mit Absperrband einen Tatort absperren… Anscheinend liegen sechs Leichen rum, und ein paar Reporter springen umher die die Anwesenden ausquetschen. Krabat belauscht Berichte über einen Mann mittleren Alters in einem schwarzen Ledermantel, der im Innenraum zwei Maschinenpistolen gezückt und um sich geballert hat, danach sei er seelenruhig wieder rausmarschiert… die Zahl der Einschußlöcher in den Wänden bestätigt das.
Stalker sucht nach Kamerafeeds. Er findet einen von vor einer Stunde, der einen Mann mit schwarzem Mantel beim Betreten der Bar zeigt, das Gesicht sieht Johnny sehr ähnlich… er zieht zwei Ares Crusader und beginnt zu schießen, lädt dabei zwischendurch nach, und nach 5 Minuten geht er einfach wieder.
Als wir uns auf den Weg machen wollen, haben wir die Paranoia, daß es sich hier um die Nachahmung einer SIM-Serie handeln könnte… eine Matrixsuche ergibt eine verblüffende Ähnlichkeit zum Auftreten des Hauptcharakters der Serie „Kaliber 45 Samurai“, eines Auftragskillers und Bösewichts in Lederjacken und mit Maschinenpistolen: William Blackstriker.
Während wir recherchieren, quatscht uns ein Typ von der Seite an. Er stellt sich als Nigel Patterson vor und bietet an, uns in 2 Stunden vor dem Besucherzentrum des Big Ben Informationen „über den Typen der hier herumgeschossen hat“ zu geben…

Das „Andy’s“, finden wir auf dem Weg dorthin heraus, ist wohl ein beliebter Treff bei Messerklauen. Die Verhaltensregeln erklären welche Waffen erlaubt sind, daß Mord ohne Schußwaffengebrauch geduldet wird, aber keinesfalls die Bar beschädigt werden darf. Klingt ja gemütlich. Bisher gibt es keine Anzeichen für eine kürzliche Schießerei.
Dort angekommen gehen wir – vorbei an einem italienischen Feinkostgeschäft – auf den Türsteher zu, einen jungen Troll, der ausschaut als hätte man ihm gerade mehrere Rippen gebrochen. Elric als unser Ersatzface – Krabat hat gerade einen Lauf und wühlt sich geschickt auf der Suche nach Mr. Patterson durch die Matrix – fragt den mißmutigen Türsteher nach unserer Zielperson, und nach ein wenig Heilungsjuju von Zillah kriegen wir nicht nur die Infos, sondern dürfen auch nach drinnen.
Die Bar ist offensichtlich verwüsteter als sonst. Eine junge Frau – gesund, erwacht, ohne Bodytech, mehrfach initiierte Wicca – kniet neben einem Runner der am Boden liegt und praktiziert bei ihm das gleiche, was Zillah auch beim Türsteher getan hat. Nur scheint der Typ hier das deutlich nötiger zu haben. Irgendwo in dem Gewirr von Emotionen läßt sich außerdem die Aura aus der Wohnung vermuten…
Wir fragen uns durch die anwesenden Personen. Der Barkeeper bestätigt, daß es Johnny war, der hier öfter zu Gast ist, hin und wieder Bodyguards hier anheuert und jedem jeden SIM besorgen kann, egal ob verboten oder nicht. Er benimmt sich wohl öfter mal wie eine SIM-Figur, vor einem Jahr kam er zum Beispiel als Charlie Chaplin. Diesmal führte er sich wohl wie ein Ritter auf, und rastete aus als ein Mann seiner Begleitung einen Klaps auf den Hintern verpaßte. Nach geschickter Gewaltanwendung konnte die Schlägerei eingedämmt werden, aber dann war Johnny auch schon über alle Berge. Wir bedanken uns für die Auskunft, und nachdem Zillah als Gegenleistung noch ein paar Verletzte versorgt hat machen wir uns auf den Weg ins Rose & Thistle.

Krabat taucht mit einem breiten Grinsen aus seiner AR-Lethargie auf und präsentiert uns, was er über Nigel Patterson herausgefunden hat: Bis vor kurzem leitender Offizier beim MI5, ein gewaltig schiefgelaufener Einsatz mit mehreren Todesopfern brach seiner Karriere gründlich das Genick, unehrenhafte Entlassung wegen eklatanter Inkompetenz. Es wird vermutet, daß er sich bei seinem Ex-Arbeitsgeber wieder einschleimen oder zur Not einfach nur Kohle machen will.

Das Rose & Thistle ist ein Geheimtipp in Downtown, immer geöffnet und die besten Fish & Chips im Bezirk. Ein klassischer Pub nach alter Manier. Als wir reinkommen, werden wir direkt vom Mann hinter der Theke begrüßt, es riecht nach reichlich Gebratenem und Frittiertem, die Speisekarte steht tatsächlich mit Kreide auf Schiefertafeln geschrieben. An einem Tisch, fällt Krabat auf, unterhält sich ein Kellner mit zwei Personen, die so gar nicht ins Ambiente passen wollen – als wären es Zivilpolizisten. Nicht so gut, denken wir… auf jeden Fall im Auge behalten und nicht zu sehr auffallen. Während wir auf unsere Fish & Chips warten, versuchen wir das Gespräch zu belauschen, was dank Zillahs Hellhören-Zauber auch ziemlich gut klappt. Die beiden befragen den Kellner über einen Vorfall, der sich kürzlich ereignet hat. Ein bekannter Gast kam mit einer schweren Kopfwunde in den Laden, völlig verwirrt und nur noch japanisch redend. Ein gewisser Henry verfügt wohl über Linguasofts um mit ausländischen Gästen reden zu können, der hätte ihn wohl verstanden. Dann hätte der Typ diesem Henry aber wohl kräftig in die Eier getreten und sei weggerannt. Die beiden Zivilbullen gehen daraufhin an die Bar und fragen nach Henry, wohl der Barmann. Er erzählt den beiden, wie merkwürdig dieses Erlebnis war. Er klopfte dem Typen wie immer zur Begrüßung auf die Schulter, aber der rastete völlig aus („Ieh, nein, Tentakelmonster, Du bekommst meinen jungfräulichen Körper nicht!“, und dazu noch weitere Obszönitäten) und rannte dann einfach weg. „Mann, das gab ein blaues Ei, sage ich Euch!“
Als Zillah diese Stelle mitspricht, müssen sich Stalker und Krabat sehr zusammenreißen, um nicht zu laut zu lachen. Krabat sucht nach der Mangaserie, aus der die entsprechenden Rufe kommen, er findet „Extradimensional Demon Lover Academy“… Er sucht nach ein paar markigen Zitaten, die „das Mädel“ kooperieren lassen könnten. Stalker versucht sich derweil an der gerade entdeckten Überwachungskamera, wird nach kurzer Zeit fündig, und lädt uns den passenden Kamerafeed herunter. Der erwähnte Vorfall ist eine Dreiviertelstunde her. Zillah sucht nach der astralen Signatur, sie ist vorhanden aber nicht mehr nachverfolgbar, da sie zu schnell verblaßt. Während wir die Kamerabilder angucken fällt Krabat auf, daß unser Ziel über eine Schußverletzung am Kopf verfügt, die wohl mindestens ein mittelschweres Schädelhirntrauma verursacht hat. Das könnte die Ursache für die Identitätsverwirrung sein… auf jeden Fall schränkt es seinen Handlungsradius wohl erheblich ein.

Während wir diskutieren, tritt eine große dunkelhaarige Frau in legerem Businessoutfit an den Tisch und setzt sich zu uns. „Offensichtlich haben Sie Ihre Antworten nicht im Andy’s gefunden. Ich hätte darauf wetten sollen, daß Sie in meinen Laden kommen. Ich habe gehört, daß Johnny in Schwierigkeiten gekommen ist und ein gewisser Mr. Johnson ihn sucht.“ Sie – Agatha – erzählt, daß sie ihn kennt und ihr sehr an seinem Wohlergehen gelegen ist. Offenbar war sie auch mal in den Schatten unterwegs und hat dann das Rose & Thistle übernommen. Sie will uns helfen, dafür sollen wir in drei Stunden wieder hier sein, und zieht sich dann erst mal zurück.

Als wir uns gerade auf den Weg zum Treffen mit Patterson machen, wird Krabat von einer hübschen Dame angesprochen: „Sie suchen Mr. Jones, ich kann Ihnen in diesem Fall behilflich sein.“
Zillah kommt sie irgendwie bekannt vor, während Krabat betört auf ihren Hintern starrt. Ja, stimmt, sie war auch im VIP-Bereich des Stadions… es ist zu befürchten, daß es bei Art wieder eine undichte Stelle gab. Sie zieht es vor, ungestört in einem der roten Touri-Doppeldeckerbusse am Straßenrand zu konferieren, wir sind neugierig und gehen mit. Sie stellt sich als Monica St. Cloud vor und ist daran interessiert, Mr. Jones zu finden. Offenbar wurde er von einem Mr. Johnson engagiert eine von einem nordamerikanischen Konzern gestohlene Nanotech mit Namen „Silicon Slick“ zu transportieren. Das Projekt stand kurz vor dem Abschluß, als der Diebstahl erfolgreich durchgeführt wurde. Nach der Ankunft in Heathrow habe sie versucht ihn zu stellen – offenbar arbeitet sie für diesen nordamerikanischen Konzern. Sie bietet weitere Informationen und mehr Geld als Art.
Krabat überlegt, daß ein Täuschungsmanöver angebracht ist, um an die Infos zu kommen. Zillah askennt sie (gesund, leicht angespannt, mundan, leichte Augmentierung… Buchse, Pheromone, Cerebralbooster).
Offenbar ist der Behälter mit der Ware in Johnnies Verdauungstrakt. Der Behälter kann die Naniten nur noch 5 Stunden inaktiv halten, bevor sie die umliegende Materie zerstören, beim aktuellen Gesundheitszustand kann das auch schneller passieren… Sie bietet uns 15k pro Kopf, wenn wir die Ware bei ihr abliefern statt bei Art.
Krabat heuchelt Interesse, so wirklich schwierig ist es aber auch nicht bei dem Angebot interessiert zu wirken. Sie gibt ihm eine Kommnummer die wir anrufen sollen, sobald wir Mr. Jones aufgespürt haben.

Dann versuchen wir noch, diesen Patterson abzugreifen. Wir finden ihn vorm Big Ben an einem Hotdog-Stand, und er nimmt uns auf einen Spaziergang mit zu einem Straßenmusiker, der uns als kostenloser White-Noise-Generator dient. Er will natürlich auch die Nanotech und bietet uns 8k plus Geheimdienstspielzeug (Krabat: „Als ob er da jemals wieder rankommt…“), und auch hier gehen wir zum Schein auf das Angebot ein.

Während wir langsam zurück zum Rose & Thistle gehen, recherchiert Stalker das erwähnte Projekt, findet aber trotz aller Anstrengungen nur Allgemeinplätze zu Naniten. Nachdem wir schnell erkennen, daß die Matrixsuche nach Monica St. Cloud viel zu zeitaufwendig wäre, kommt Krabat auf die grandiose Idee mal bei Schuster anzurufen, der uns tatsächlich sogar eine wichtige – und kostenlose! – Auskunft geben kann: sie läßt keine losen Enden. Schuster verabschiedet sich mit „Kommt in einem Stück wieder.“…

Nach einiger Zeit kommt Agatha wieder, nickt uns zu und geht weg. Wir folgen ihr drei Blocks, bevor sie hinter einem zweistöckigen Gebäude anhält. Im Erdgeschoß befindet sich ein Gemischtwarenladen, im oberen Bereich befinden sich Appartments. Ihr Refugium ist bereits draußen auch für Stalker deutlich zu spüren. Im Laden befindet sich eine Art Lobby, in die sie uns führt. Wir laufen an einigen Geistern vorbei, die uns Dinge fragen, von denen wir noch nie gehört haben, bevor wir in den riesigen Ritualraum treten. Sie bittet uns, neben dem Ritualkreis Platz zu nehmen, während sie noch einige Vorbereitungen trifft. Sie hat offensichtlich Blutreste von Johnny an einer Billardkugel gefunden, die für einen Versuch ausreichen, ihn mittels ritueller Magie aufzuspüren. Wir beobachten die Durchführung des Rituals interessiert, bis sie zu Boden fällt und keucht „Er ist im Squeeze, in Lambeth!“. Wir springen auf und machen uns auf den Weg. Am besten sollten wir einen lokalen Taxifahrer oder Rigger nehmen, wir kontaktieren Maliks Cousin Achmed mit seiner gar nicht so schrottigen Schrottkarre. Er willigt ein uns ca. 1km von unserem Ziel entfernt abzusetzen und zu warten, wenn wir ihm 500 geben. Deal!

Der gesuchte Ort ist eine ehemalige Grundschule, die Zillah astral auskundschaftet. Johnny ist körperlich angeschlagen und sehr verwirrt, auch etwas eingeschüchtert. Drei weitere Auren befinden sich im gleichen Raum wie er, gesund, mundan, nicht vercybert, und ziemlich aggressiv und verzweifelt. Und nicht sonderlich helle. Im Schulgebäude befinden sich 6 weitere Personen, ebenfalls mundan, ebenfalls eher schlichte Gemüter.
Wir machen uns auf den Weg und überlegen uns währenddessen die Taktik, mit der wir vorgehen wollen. Als wir ankommen beginnen wir damit, die Lage zu überblicken, schockiert vom desaströsen Zustand des Gebäudes. Krabat und Elric schleichen sich unsichtbar jeweils an die Doppelwachposten an und schicken sie mit dem Taser ins Land der Träume, Krabat krallt sich das Jagdgewehr des einen Kerls, Stalker und Zillah räumen den Rest weg. Zillah erkundet nochmal das Gebiet, mittlerweile sind die restlichen 5 Leute bei Johnny im Raum. Krabat und Elric gehen, immer noch unsichtbar, durch die einzige Tür rein, Stalker und Zillah gehen von außen ans Fenster. Als die beiden dort ankommen, sind jedoch alle Bewacher schon bewußtlos.
Dann sehen wir zwei Citymaster anfahren, einer aus Südwesten, der andre aus Südosten. Stalker und Zillah retten sich durchs Fenster in den Raum. Elric macht das „gefundene“ Jagdgewehr bereit, während draußen schwer gepanzerte Gesellen die Karren verlassen, insgesamt sind es wohl ein Dutzend Leute verteilt auf zwei Gruppen. Wir machen alle unsichtbar, Johnny wird getasert und auf Stalkers Schultern verladen. Ein Schuß von Elric haut einen der Kerle um, Zillah stiftet per beeinflußtem Sperrfeuer („Achtung, Hinterhalt!“) für weitere Verwirrung, dann rennen wir zum entgegengesetzten Ausgang des Gebäudes raus. Kaum sind wir ein paar Meter weit gelaufen, als ein Hubschrauber auftaucht und erst kurz das Gebäude, dann jedoch massiv die andere Truppe beschießt, während sich ein Dutzend weitere Einsatzkräfte abseilen und mitspielen wollen. Wir lachen uns ins Fäustchen und geben Fersengeld.
Zillah hält auch im Auto noch die Unsichtbarkeitszauber aufrecht, und Achmed bringt uns sicher wieder aus dem Sprawl raus. Wir rufen noch während der Fahrt Art an, um möglichst schnell die Übergabe durchzuziehen, und geben Achmed das Ziel an das Art uns nennt: den VIP-Parkplatz vor dem Wembley-Stadion. Dort angekommen übergeben wir ihm sein Päckchen, zusammen mit ein paar Updates, und erhalten die vereinbarte Belohnung. Dann verticken wir noch rasch die überschüssige halblegale Ausrüstung, bevor wir den nächsten Flug nach Köln nehmen.

Noch in Heathrow klingelt Zillahs Kommlink, Blumenthal ist dran. Er fragt ob wir Zeit haben, ein neuer potentieller Ripper-Mord… Sie sagt ihm, daß wir uns bei ihm melden sobald wir gelandet sind, also in ca. 4 Stunden.

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Nachts im Museum...
When the Going Gets Tough, the Tough Get Going.

Donnerstag, 13. September

Da Art Johnson uns gebeten hatte noch ein paar Tage zu bleiben, wollen wir unsere Vorräte ein wenig aufstocken. Wir rufen Khaled an und fragen ihn, ob er zufällig nützliche Verwandtschaft in London hat… Er nennt uns den Dimashq Market, geführt von einem Malik. Gefüttert mit Tee und Baklava erleichtern wir dessen Lager, allerdings kann er nicht mit magischem Equipment dienen.
Nach kurzer Matrixsuche werden wir jedoch auf das Smiling Sephiroth aufmerksam, spezialisiert auf die Bedürfnisse kabbalistischer Zauberer. Wir fahren mit der Tube hin, um den Einkauf noch mit einem kleinen Stadtbummel verbinden zu können. Dort angekommen sehen wir in einem vollgestopften Laden einen kleinen Klischee-Juden mit gezwirbelten Löckchen an den Schläfen – Zillah beginnt innerlich zu fluchen, als sie zum Tresen läuft. Sie setzt ihre netteste Miene auf und bestellt in freundlichstem Hebräisch ihre Zauber, erzählt von der mangelnden jüdischen Lebenskultur in einem derart arabisch geprägten Plex, läßt sich noch ein paar Adressen von Synagogen geben und freut sich darüber, wie sie in ihren Gedanken seinen Kopf auf die Tischplatte schlägt („Orthodoxes Sackgesicht!“), während sie ihm die breitesten Lügengeschichten auftischt. Von Vorteil ist, daß er die Registrierung ihrer Zauber auch direkt übernimmt, das spart unnötige Bürokratie.

Montag, 17. Dezember

Nachmittags ruft dann Art an, wir sollen um 22 Uhr im King William Pub sein – wir sollen einen Mietwagen nehmen, Zimmer seien im dazugehörenden Hotel bereits für uns reserviert. Nachdem wir uns einen Wagen besorgt haben – etwas stabiles und unscheinbares – machen wir uns auch auf den Weg. Der Check-In läuft problemlos, wir parken das Auto in der Tiefgarage, genießen noch kurz die Boxspring-Betten, und machen uns dann auf in den Pub. Auch wenn wir vorhin schon gegessen haben lockt uns doch das Abenteuer einer typisch englischen Speisekarte. Nachdem wir bestellt haben, gehen wir an den reservierten Tisch. Als wir gerade essen kommt Art zum Tisch, er ist kurz angebunden. Noch heute Abend muß eine Extraktion vonstatten gehen, gleichzeitig ist ein anderes Team darauf angesetzt. Wir haben ein Zeitfenster von 5 Minuten. Sobald wir das Ziel gesichert hätten, würde Art uns die Adresse eines Safehouse geben. Er bietet 10000€ pro Person, aber Krabat und Elric können ihn auf 11500€ pro Nase hochhandeln. Wir nehmen an…
Wir sollen ins British Museum eindringen, Extraktionsziel ist Dr. Richard Pelletiere. Ein weiteres Team ist angesetzt, das sich um 23:55 Uhr Zugang verschaffen wird, und wir müssen es daran hindern das Ziel einzusacken. Wir erhalten ein Dossier über das Ziel, und den offiziellen Plan des Museums inklusive Einstiegspunkt des anderen Teams und Büro des Wissenschaftlers.

Wir nehmen noch einen großen Bissen, dann machen wir uns auf den Weg. Die Zeit reicht gerade, um die Ausrüstung zu holen und uns auf den Weg zu machen. Am Museum angekommen beobachten wir die Tür. Da das Zeitfenster schon begonnen hat, macht Zillah sich unsichtbar und versucht die Tür zu öffnen – sie gibt problemlos nach, und Zillah muß erst mal einem betäubten Wachmann ausweichen, der hinter der Tür angelehnt war. Der Host des Museums meldet nur Absturzsignale… Showtime. Zillah spricht zusätzlich einen Levitationszauber und alle bewegen sich rein, durch die Asien- und die Afrikasammlung, und über die Feuertreppen in den Bürotrakt im 2. UG. Die fliegende Vorhut wird am Ende der letzten Treppe bemerkt und zieht einen Zauber und eine Salve Schockermuni auf sich, kann aber beidem ausweichen. Unter ihr befinden sich vier Gestalten, und der Kampf beginnt. Relativ schnell können wir zwei ausschalten, für die beiden anderen brauchen wir nur unwesentlich länger. Wir begrüßen einen verschüchtert dreinblickenden Doktor, dem wir glaubhaft erklären können, daß wir seine Sicherheitseskorte sind. Der Weg zum Auto birgt keine Probleme, und Art lotst uns zu einer Adresse in Soho, die schönsten Tage hat es wohl hinter sich, aber der Parkplatz befindet sich taktisch klug im Inneren des Häuserblocks.

Dienstag, 18. September

Als wir gerade aussteigen wollen, hören wir neben den üblichen Stadtgeräuschen zweimal ein leises Surren, gefolgt von einem ebenso leisen Aufprall – zwei dunkle Gestalten haben sich in einer Ecke abgeseilt. Aus der Einfahrt hören wir nun auch Schritte… Wir sehen uns insgesamt vier bulligen Sackgesichtern in Ganzkörperpanzerung gegenüber, die auch noch meinen mit APDS-Muni durch die Gegend ballern zu müssen. Auf uns. Natürlich. Jetzt setzt es Saures!
Zunächst scheinen wir definitiv mehr abbekommen zu haben als die, aber unsere Moral steigt mit dem ersten, den Elric umschießt. Zillah testet die neu erworbenen Gasgranaten, wird aber doch recht ungeduldig beim Warten auf die Wirkung – doch als sie endlich kommt, kommt sie richtig. Der eine Mensch reiert vor sich hin während der Bewußtlose wohl kläglich an dem Erbrochenen in seinem Helm ersticken wird…
Allerdings erweisen sich die beiden anderen Herren in der Einfahrt als mindestens genauso zäh und wehrhaft. Doch Zillahs nächste Schockgranate haut zumindest einen um, der zweite läßt langsam Federn, und Elric gibt ihm dann den Rest. Dann legen wir noch den kotzenden Menschen schlafen, und nach einem kräftigen Tritt ins Gemächt durch Krabat („Die Sau hat meinen Anzug ruiniert… Löcher, und Blut! Und weh tuts obendrein auch noch!“) sammeln wir die Waffen der Typen ein, ziehen dem bewußtlosen Kotzer netterweise den Helm ab, zünden Krabats Blutlache an, und kratzen gerade rechtzeitig die Kurve, Krabat hört bereits das Brummen eines Helikopters in der Ferne.

Eine Kurznachricht an Art kommt nicht an, währenddessen überlegen wir, wo wir hingehen sollen. Nach einer Weile, in der wir uns durch den Innenstadtverkehr schlängeln, schlägt der Doktor vor, zu seinem Landhaus in Hampstead rauszufahren („Von dem weiß niemand…“). Sobald wir aus der Innenstadt-Überwachung raus sind, ändern wir die AR-Kennung unseres Mietwagens, um wenigstens ein paar Spuren zu verwischen.
Langsam aber sicher nähern wir uns dem erwähnten Haus. In der Wohngegend ist niemand unterwegs, die Straßen sind leer… die Häuser sind riesig und von noch größeren Gärten umgeben. Wir erreichen ein weiß getünchtes einstöckiges Haus, die Blumenkästen verstärken den biederen Eindruck. Unsere Nasen wittern einen ungewohnten Geruch… echte Vegetation! Wir parken das Auto in der Garage und begeben uns nach drinnen. Auch dort ist alles konsequent liebevoll eingerichtet. Wir essen erstmal und ruhen uns aus, dann machen wir unsere Ausrüstung bereit und richten mit der FlySpy auf dem Dach einen Beobachtungsposten ein. Danach kommen wir ein bißchen ins Gespräch mit unserem Gastgeber. Offensichtlich war er nicht sehr glücklich über seine berufliche Situation, besonders seinem direkten Vorgesetzten, weshalb er sein Curriculum Vitae auf einer einschlägigen Karrierewebseite veröffentlicht hat. Mit seinen Zugangsdaten ausgestattet sehen wir uns das an, und entdecken drei Interessenten, die sich auf sein Inserat gemeldet haben: NeoNET, Saeder-Krupp und TRC (die Geheimpolizei des irischen Tir…). Stalker und Krabat finden noch zwei weitere Parteien, die sich zwar nicht bei dem Doktor gemeldet, jedoch mehrfach sein Profil angesehen haben: NDM (englische Druiden) und SAS (ja, genau, der Special Air Service…). Wir sind begeistert. Offensichtlich ist er ein Experte für die Phonetik antiker Sprachen. Zillah staunt nicht schlecht, unser Gastgeber wäre definitiv in der Lage einem ambitionierten Magier zu erklären, wie er eine altertümliche Zauber- oder Beschwörungsformel so vorlesen muß, daß das Juju auch anfängt zu wirken…
Das Team im Museum war vermutlich von NeoNET beauftragt, die bulligen Typen im Parkhaus hatten S-K-Logos… die anderen haben ebenfalls versucht, ihn aufzuspüren.
Der zukünftige Wunscharbeitgeber unseres Gastgebers wäre TRC, wie er uns verrät, eventuell arbeitet ja Art für die, wer weiß. Allerdings wissen wir das nicht, und Art ist schlichtweg vom Erdboden verschluckt, wir finden absolut keine Spur von ihm. Von daher überlegen wir, ob wir nicht den Kontakt zum Wunscharbeitgeber unseres Doktors herstellen und eine Einigung anstreben. Etwas besseres fällt uns gerade nicht ein, daher recherchieren wir weiter in der Matrix. Wir finden Hinweise auf eine größere Rekrutierungswelle durch TRC, vor allem in Großbritannien, auch wurden wohl einige TRC-Mitarbeiter gestern Abend in der Tube gesehen. Wir rufen die TRC-Kontaktperson von der Karrierewebseite an, eine Dame namens Sarah. Das Telefon klingelt nur kurz, und es braucht auch nur wenige Worte um ein Treffen zu arrangieren, Treffpunkt ist die Mitte des nahen Heath-Parks in Hampstead, in 30 Minuten.

Auf dem Weg zum Park werden wir von einem lauten Knall aus der Lethargie gerissen, als sich die Front unseres Autos verabschiedet. Hinter uns tauchen zwei taktisch perfekt geschulte Soldaten auf, ein weiterer kommt von vorne, und versuchen uns in die Zange zu nehmen. Die Hoffnung, daß die Präzision der Sprengladung ein Hinweis darauf ist, daß man nicht einfach nur versucht einen Arbeitgeberwechsel bei lebendigem Leib zu verhindern, löst sich allerdings rasch in Luft auf. Mit einer glücklichen Kombination aus Sperr- und Präzisionsfeuer, viel Mühe und einem ordentlichen Schuß Magie schaffen wir es jedoch, die Vertreter des Commonwealth aus dem Verkehr zu ziehen, und die Sachmittel die wir dabei „beschlagnahmen“ können entschädigen dann doch für einiges…
Sogar ein schicken neues Gefährt hat man uns „überlassen“, wo wir doch schon der Mietwagenfirma erklären müssen, daß sie ihren Besitz leider nur in Einzelteilen wiederbekommen. Vielleicht hätten wir ihn ja doch in der Themse versenken sollen… wäre wenigstens authentisch gewesen.

Dann endlich gelangen wir an den vereinbarten Treffpunkt im Park. Es dauert nur ca. 30 Sekunden bis wir merken, daß die liebe Sarah wohl doch eher zur Fraktion „Schlampe“ gehört, denn Dienstleistungen nimmt sie zwar gerne in Anspruch, aber bezahlen hält sie wohl für unnötig. Also mal ehrlich, denken wir uns, so scharf ist das Spitzohrgerippe nun auch nicht… Von daher beobachten wir mit nicht geringer Genugtuung, wie sich ein Dutzend kleine metallene Freunde in die Köpfe der Zechpreller versenken. Tja, so kanns laufen…
Hinter einem Baum kommt ein grinsender Art Johnson hervor, der unsere erleichterten Mienen zur Kenntnis nimmt. Offensichtlich hatte man sein Kommlink angezapft, weswegen er schnell untertauchen mußte. Immerhin konnten wir so viel Zeit herausschlagen, daß er wieder auf unsere Spur kam… und das Feuerwerk der Commonwealth-Jungs war dann auch der letzte Hinweis auf unseren Standort. Somit landet unser werter Herr Doktor wohl bei einem bisher nicht in Erscheinung getretenen Arbeitgeber, wir haben die Beziehung zu unserem Auftraggeber nicht unglücklich enden lassen müssen, und können nun endlich ins Bett. Hurra!

Und mit dem schönen neuen Spielzeug, das uns der Weihnachtsmann dagelassen hat, können wir uns später noch näher beschäftigen…

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