Im Schatten des Doms

Der Milk Run in Chicago...

Wir erledigen noch ein paar Dinge, bevor wir uns auf den Weg machen. Nein, Khaled hat leider keine Verwandtschaft in Chicago, aber ein paar Besorgungen können wir auch hier erledigen. Dann packen wir unsere Sachen, machen uns auf den Weg zum Flughafen, und fliegen nach Chicago.

Donnerstag, 13. Dezember 2074

Angekommen in Chicago nehmen wir ein Taxi zu Chicago’s Own Pizzeria… ein abgeranzter Laden ohne jegliche AR-Reklame, aber einen derart mundwässernden Duft nach Kruste und echtem Fleisch verbreitend, daß wir schleunigst nach drinnen gehen. Ein Tisch ist für uns reserviert und eine Dame hispanischen Typs, inklusive einiger Modifikationen, wartet dort bereits auf uns. Nach einer kurzen höflichen Begrüßung kommen wir direkt zur Sache:
In der Containment Zone müssen zwei altersschwache Signalverstärker mit neuen Relais versehen werden, pro Person sind dafür bei Erfolg 4k für uns drin, davon 500 im Voraus. Wir stimmen zu.
Sie gibt uns die Relais, und auch Kartenmaterial mit Arrows auf den Sendeknoten: Einer ist im Tower des Midway Airport, der andere mitten im Garfield Park. Beide Relais wurden bei Errichtung der Containment Zone aufgebaut, kurz nach dem Crash also, eventuelle Magschloßcodes sind mittlerweile nicht mehr bekannt. Fürs Shopping empfiehlt sie uns noch die „spezielle Auswahl“ in Daves Gemischtwarenladen. Dann widmen wir uns erst mal dem wichtigen Teil: dem Essen.
Währenddessen sondieren wir die Lage, studieren das Kartenmaterial und bestellen dann doch noch einen Mietwagen. Stalker kapert aber erst noch das GPS der Karre, damit niemand sieht wohin wir wirklich fahren.
Bevor wir uns auf den Weg in die Zone machen besuchen wir noch Dave, dessen spezielle Auswahl im Separee echt hilfreich ist. Wir fühlen uns jedenfalls sehr viel sicherer, als wir uns mit Einbruch der Dämmerung langsam der Zone nähern.
Wir sehen die zwei Stockwerke hohe Mauer schon aus einiger Entfernung, die Wachtürme an dem Tor das wir uns rausgesucht haben sind verlassen. Sobald wir durch sind, halten wir unsere Waffen griffbereit. Die Straße wird zunehmend holpriger, teilweise müssen wir wegen Resten eingestürzter Wolkenkratzer Umwege fahren. Unser Weg führt uns zuerst zum – offiziell stillgelegten – Midway Airport. Unsere Recherche ergab, daß er in Wirklichkeit ein reger Umschlagplatz für Schmuggler ist, doch während des aktuellen Schneetreibens ist der Flugverkehr zum Erliegen gekommen.
Bei einer astralen Sondierung der Lage ergibt sich, daß der Tower bewacht ist, unten von zwei genervten Menschen, aber oben von einem Wachgeist. Aufgeschreckt von einer vermutlich durchblickten Tarnung bläst Zillah zum Abmarsch. Wir entscheiden spontan, doch zuerst zum Garfield Park zu fahren. Dort ist die Luft definitiv rein. Nach kurzer Zeit findet Stalker den als Baum getarnten Sendeknoten, dessen mit Magschloß gesicherte Klappe Krabat schnell öffnen kann. Kevin und Zillah halten die Umgebung im Auge, und nach etwa 40 Minuten hat Stalker das Relais ausgetauscht.
Wir gehen direkt zum Auto zurück. Krabats Komm klingelt sofort, als das neue Relais seine Arbeit aufgenommen hat und das Matrixrauschen verschwindet. Darius ist dran, anscheinend hat er noch einen weiteren Job in Chicago, ein Johnson ist direkt in der Leitung. Darius‘ Konterfei wird durch das von Loki ersetzt, freudig überrascht beginnt er zu erzählen: Es geht um Datenwiederbeschaffung, Daten von Lofwyr persönlich. In einem verlassenen Labor in der Containment Zone sollen die Daten gesichert und einem Paket über eine gesicherte Leitung zur Verfügung gestellt werden, sollte es Hardware geben, würde er dafür ebenfalls einen Weg finden, 3k pro Person sind für uns drin – wir sagen zu.
Das Ziel ist Janus Industries, 1501 North Green View Ave, nördlich der Interstate 90. Auch die Zugangscodes sind verlorengegangen, deswegen müssen wir selbst schaun wie wir da reinkommen. Von Interesse sind vor allem die alten Forschungsdaten und ein Besitznachweis.
Wir grübeln über die Lage unserer nun zwei nächsten Stationen… eigentlich wäre es sinnvoller erst das zweite Relais auszutauschen. Da laut Recherche ein Schmugglerring derzeit die Kontrolle über den Flughafen hat, sollte eine Möglichkeit bestehen zu verhandeln… wir versuchen es. Wir fahren vor, Krabat steigt aus und läuft auf die Wachen zu. Die blicken nervös um sich, klopfen an die Tür, und kurze Zeit später kommt ein grimmig dreinblickender Zwerg heraus. Zillah begutachtet ihn, er ist erwacht, hat drei Geister um sich, unter anderem den schon bekannten Geist vom Tower. Krabat ist zum Glück sehr eloquent und der Schamane läßt sich sehr gut davon überzeugen, daß es auch für die Schmuggler von Vorteil ist ein besseres WiFi zu haben und für Quantum Princess künftig die Wartung zu übernehmen.
Krabat und Stalker dürfen das Relais austauschen und folgen dem Zwerg nach drinnen, Zillah und Kevin warten währenddessen im Auto. Zillah versucht schonmal das erwähnte Labor auf astralem Weg zu finden und die Lage zu sondieren. Nach etwa einer halben Stunde ist Stalker fertig mit seiner Arbeit, auch die Schmuggler sind jetzt deutlich weniger skeptisch wo sich das WiFi-Signal schlagartig verbessert hat. Damit wäre dieser Job erledigt, und Krabat schickt eine Nachricht an Quantum Princess und informiert sie auch über den Deal mit den Schmugglern.

Zillah beendet den Versuch astral zum Labor zu gelangen vorzeitig, da auf dem Weg die astralen Aktivitäten doch eher recht hoch sind. Wir sollten erst mal näher an unser Ziel ran…

Gerade als Krabat und Stalker wieder im Auto sitzen und wir losfahren wollen, klingelt wieder Krabats Komm , und wieder ist es Darius als Vermittler für einen Johnson. Er gibt die Leitung frei für einen südamerikanisch aussehenden Troll mit einem langen Pferdeschwanz. Juan Xihuitl nennt er sich, wir sollen eine verschollene junge Dame in der Containment Zone ausfindig machen und an den LoneStar-Cop Nick Ryder übergeben, weil er dem noch einen Gefallen schuldig ist. 3k pro Person ist ihm das wert…
Wir halten ihn hin, während Stalker mal schnell Ryder durch die Suchmaschinen jagt. Wir bekommen nur raus, daß es seit 10-15 Jahren eine Person mit diesem Namen bei LoneStar Chicago gibt, die sich wohl durch ihren deutlichen Eigensinn beim Kampf für die gute Sache auszeichnet. Ok, das beruhigt unser merkwürdiges Gefühl ein wenig, zumindest genug um zu verhandeln und dann zuzusagen. Wir sollen eine Menschenfrau namens „Samantha“ suchen, groß, braune Haare, SIN- und obdachlos, wurde zuletzt auf den Straßen des Maker-Kollektivs (laut kurzer Recherche ein kleiner Bezirk am nördlichsten Rand der Containment Zone) gesehen. Zudem kriegen wir eine Telefonnummer, unter der wir Nick Ryder erreichen können, Übergabe soll dann in Chicago’s Own Pizzeria sein.
Nun aber fahren wir erst einmal zum vermeintlichen Labor, das Gebäude in dem es sich befinden soll sieht aber eher aus wie eine ehemalige Schule, verbarrikadiert und mit einem „Ianus“-Schild obendrüber. An der südöstlichen Ecke gibt es eine offenstehende Tür, die von einer Schneewehe blockiert ist und damit wahrscheinlich schon länger offen ist. Eine Matrixsuche bleibt negativ, anscheinend gibt es hier keine Geräte mit aktivem WiFi. Wir gehen rein…
Im Keller finden wir in einem Raum einen Zwerg auf dem Boden liegen, dessen Genickstellung nicht mit dem Leben vereinbar ist, geschätzt ist er seit einer Woche tot, dazu zwei ebenso tote Menschen, die laut Kevin wohl mit bloßen Händen totgeprügelt wurden. Auf einem kleinen Tisch liegt ein Skalpell, ein offenes Medkit, ein Kommlink und ein medizinisches Implantat, alles mit Blut bedeckt. Das Kommlinkmodell ist definitiv nicht zehn Jahre alt. Die Kulisse für dieses Kriminalpuzzle bilden zwölf Klontanks, elf davon gefüllt, einer zerbrochen und offensichtlich leer. Zillah fragt in den Raum: „War das Samantha…?“
Stalker liest das Kommlink aus; die neuesten Daten sind ein Video, das zeigt wie eine dunkelhaarige Frau, die aussieht wie die in den elf andren Tanks, das Komm als Blickhilfe nutzt, um sich das von uns entdeckte Implantat aus ihrem Nacken rauszupopeln. Weitere Daten auf dem Komm ergeben, daß es sich wohl um ein explosives Implantat handelt… außerdem finden sich die Zugangsdaten zum hiesigen Host, dem Stalker sich direkt zu widmen beginnt während Kevin sich über Ianus informiert und herausfindet, daß es sich um ein Forschungsunternehmen handelt das von Hephaistos Industries gekauft wurde; sobald Stalker Zeit dafür hat, setzt er ein paar Rechercheprogramme auf weitere Verbindungen und Hintergrundinfos an. Zillah dokumentiert mit Krabat die Szenerie und sichert biologische Proben, dann nimmt sie den kaputten Tank psychometrisch unter die Lupe. Aus seiner Sicht erlebt sie mit, wie der Klon darin plötzlich die Augen aufreißt, den Tank kaputtschlägt und ihn verläßt. Die Einstellungen des Tanks unterscheiden sich laut Kevin nicht von denen der anderen elf, und in den letzten Jahren muß die Anlage auf jeden Fall aktiv gewartet worden sein. Eine psychometrische Untersuchung der Tür ergibt, daß sie vor einer Woche nach einem Alarm von einem der toten Menschen aufgerissen wurde, ihm folgten die beiden anderen Toten. Der Zwerg flog gegen die Tür, wobei er sich das Genick brach. Die Frau durchsuchte den Zwerg, nahm sich sein Kommlink, und verließ eine Weile später den Raum; vor dem Alarm war keine Bewegung wahrzunehmen. Nach kurzer Suche finden wir auch dem Wachposten, von dem aus die drei ursprünglich operiert haben.
Neuestes Ergebnis von Stalkers Bots: Ianus wurde kurz nach dem Crash von der University of Chicago und Argon National Labs gegründet.
Wir verlassen das Labor und machen uns auf den Weg ins Maker-Kollektiv, quasi eine Stadt in der Stadt. Eine Ansammlung von Einkaufszentren, untereinander verbunden mit segeltuchüberspannten Durchgängen. Nirgends war in letzter Zeit der AR-Spam stärker als hier. Es handelt sich offensichtlich um eine wirtschaftlich florierende Gegend.
Krabats Menschengespür ist ungeschlagen. Nach kürzester Zeit findet er jemanden, der bei einem „Pharmahersteller“ tätig ist, der eine Frau gesehen hat, auf die Samanthas Beschreibung zutrifft. Sie trug nur eine viel zu große Panzerjacke und einen blutverschmierten OP-Kittel, und hat sich etwas dazuverdient um sich im benachbarten Bürogebäude eine Unterkunft anmieten zu können.
Wir beschließen, ihr erst einmal frische Kleidung und Toilettenartikel zu besorgen. Krabat bequatscht dann den Pförtner, er nennt uns den 3. Stock, Zimmer 117. Wir gehen weiter während er unauffällig den Fünfer verschwinden läßt, der woher auch immer kurz zuvor auf der Theke aufgetaucht war. Die Kamera im Gang manipuliert Stalker direkt, dann klopfen wir.
Sie ist gesund, unterernährt, mundan, die Wunde im Nacken ist ihre einzige Verletzung. Vor ein paar Tagen hat sie wohl mal FAB3 eingeatmet, aber es ist nichts mehr übrig. Sie ist voll bis oben hin mit Delta-Bioware… und eine Technomancerin. Stalker sieht ihr biologisches PAN, das von einem Datensprite überlagert wird, anscheinend ist das ihr Freund, Remo. Wir staunen mit großen Augen und halten ihr einen Schokoriegel hin.
Daß sie Technomancerin ist könnte erklären, wieso sie überhaupt aufgewacht ist. Wir überreden sie dazu, ihre Panzerjacke hier zu lassen (weil zu auffällig) und mit uns das Weite zu suchen, damit ihr nichts passiert – wir haben offensichtlich beschlossen, irgendwie ihre Haut zu retten. Das heißt wir müssen herausfinden wie integer Nick Ryder ist, um zu wissen wie wir weiter vorgehen. Krabat unterhält sich derweil mit Samantha und Remo. Mit genug Zeit findet Stalker diesmal auch mehr über Ryder, der kurz vor der Buginvasion zu LoneStar kam, mittlerweile Mitte 40 und dem Alkohol nicht abgeneigt ist. Anscheinend ist er weniger korrupt als sein Arbeitgeber, was ihm nicht immer gute Presse einhandelt. Der Johnson stammt tatsächlich von Aztech, steht auf professionelle Arbeit und betrachtet Runner als austauschbare Aktivposten, sammelt jedoch gerne Gefallen um weitere Aktivposten für zukünftige Planungen zur Hand zu haben.

Freitag, 14. Dezember 2074

Wir sitzen im zunehmend beengten Auto und diskutieren unsere Möglichkeiten. Einer der Recherchebots meldet sich: Hephaistos gehört zu Shiawase und besitzt Ianus seit 2052. Wir erklären Samantha, daß wir prinzipiell jemanden an der Hand hätten, der ihr helfen könnte, ein höchstwahrscheinlich vertrauenswürdiger Cop. Mit ihrer Einwilligung vereinbaren wir das Treffen. Wenig später sitzen wir mit Ryder bei Chicago’s Own Pizzeria und erfahren ein paar Hintergründe zu diesem Fall:
Samantha Carroll, kleines Stück Wahrheit in einer alten Polizeiakte. Samantha wurde 2053 als 6-jähriges Mädchen mitten auf der Straße entführt, den Fall bekam er auf den Tisch als er gerade eine Woche bei LoneStar war. Nach dieser Erzählung und unserer Entlohnung eskortiert er sie nach draußen.

Wir übermitteln die Daten an Loki, kassieren die Kohle, und diskutieren dann bei unserer „Pizza“ die aktuelle Gesellschaftersituation der Detektei…

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luetti

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